Worum es bei Exerzitien auf der Straße geht

strex-2 (Foto: K. Happe)

Auf der Straße sind alle Menschen unterwegs. Auf der Straße passiert viel, aber ich weiß ich nicht immer, was mir als nächstes passiert. Auf der Straße ist es anders als bei mir zuhause. Auf der Straße kann ich ausprobieren und neue Wege gehen: Wer bin ich ohne das Normale und Gewohnte drumherum? Auf der Straße kann ich Gott suchen und begegnen: Mitten unter den Menschen, an Bahnhöfen, in der Fußgängerzone, auf dem Friedhof, vor der Kirche, am Gefängnis, in der Suppenküche, auf der Bank, in mir selbst. Das kannst du bei Exerzitien auf der Straße üben. 

Wenn du mehr über Straßenexerzitien erfahren willst, lies hier weiter.

 

Awe

In der Apostelgeschichte heißt es in Apg 2, 43 nach der Einheitsübersetzung:

„Alle wurden von Furcht ergriffen; und durch die Apostel geschahen viele Wunder und Zeichen.“

„Von Furcht“ ergriffen – na ja. Liest man aber die English Standard Translation dann steht da:

„And awe came upon every soul, and many wonders and signs were being done through the apostles.“

„Awe“ heißt übersetzt soviel wie ehrfürchtiges Staunen, ohne Worte sein, Überrascht sein. Und das entspricht witzigerweise genau der englischen Aussprache des Wortes, nämlich so etwas wie ‚Oah‚.

Eine ganz andere Art von Furcht.

Auf Augenhöhe in Los Angeles

Greg Boyle (Foto: BBC World Service cc-by-nc 2.0)

Augenhöhe: das ist ein Stichwort um das es bei Straßenexerzitien auch geht. Nicht als Helfer, sondern als Mitmensch, als Brüder und Schwestern begegnen uns Menschen auf der Straße. Und manchmal erkennen wir, dass in ihnen Jesus Christus gegenwärtig ist.

Diese „Augenhöhe“ ist auch die  Perspektive des Jesuitenpaters Greg Boyle, der seit Jahrzehnten in den „härtesten“ Vierteln von Los Angeles mit Jugendlichen arbeitet, die oft in kriminellen Gangs verstrickt sind.  Es sind bewegende Geschichten, die er erzählt. Gotteserfahrungen auf den Straßen von Los Angeles – und was Nachfolge da heisst. „Auf Augenhöhe in Los Angeles“ weiterlesen

Straßenexerzitien an einem besonderen Ort: Erfahrungen der Begleiter

Gubbio_Koeln (Foto: P. Lutz)

Von Sonntag bis Sonntag im August fanden Straßenexerzitien an einem besonderen Ort in Köln statt, der Obdachlosenkirche „Gubbio“. Dort trafen sich sieben Teilnehmerinnen und Teilnehmer: vier Frauen, drei Männer und zwei Hunde waren sieben Tage lang unterwegs auf den Straßen in Köln. Zwei Teilnehmer kamen direkt aus der Gubbio-Gemeinde und fünf Teilnehmer hatten sich über das Internet angemeldet. Auch die Begleitung war eine besondere Erfahrung.

Diese Straßenexerzitien waren eine ganz besondere Woche, besonders auch für uns vier Begleiter*innen; denn die Straßenexerzitien fanden zum ersten Mal in der „Heimat“ der Obdachlosen statt. „Straßenexerzitien an einem besonderen Ort: Erfahrungen der Begleiter“ weiterlesen

Bodenhaftung

Müll oder Bombe, von Pierre Willscheck /cc-by-nc 2.0)

bodenhaftung

ich komme nicht
ohne gebet aus
wie sehr ich auch
das schweigen suche
hinter jedem müllsack
höre ich die stimme

zieh deine schuhe aus …

ich küsse die dunkle erde
und male um sie einen kreis
der mein leben
ins gebet nimmt

Wilhelm Bruners

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Aus: Zuhause in zwei Zelten, Gedichte und Reflexionen, Ein spirituelles Lesebuch mit einer Einführung von Karl-Josef Kuschel, Tyrolia Verlag, Innsbruck, 2017, 19.

Foto: Müll oder Bombe, von Pierre Willscheck (cc-by-nc 2.0)

Gott läßt sich nicht verstrukturieren

 

Christian Herwartz ist dafür bekannt, dass er vieles auf sich zukommen lässt, vieles spontan tut und entscheidet. Er selber würde wohl dazu sagen: „sich von Gott in jeder Situation beschenken“ lässt. Von diesem Geist sind auch die Straßenexerzitien sehr geprägt. Da stellt es natürlich eine besondere Herausforderung dar, wenn es Gruppen gibt, die klare Formen und Strukturen einfordern. Ein Erfahrungsbericht: „Gott läßt sich nicht verstrukturieren“ weiterlesen