Worum es bei Exerzitien auf der Straße geht

strex-2 (Foto: K. Happe)

Auf der Straße sind alle Menschen unterwegs. Auf der Straße passiert viel, aber ich weiß ich nicht immer, was mir als nächstes passiert. Auf der Straße ist es anders als bei mir zuhause. Auf der Straße kann ich ausprobieren und neue Wege gehen: Wer bin ich ohne das Normale und Gewohnte drumherum? Auf der Straße kann ich Gott suchen und begegnen: Mitten unter den Menschen, an Bahnhöfen, in der Fußgängerzone, auf dem Friedhof, vor der Kirche, am Gefängnis, in der Suppenküche, auf der Bank, in mir selbst. Das kannst du bei Exerzitien auf der Straße üben. 

Wenn du mehr über Straßenexerzitien erfahren willst, lies hier weiter.

 

Straßenexerzitien an einem besonderen Ort: Erfahrungen der Begleiter

Gubbio_Koeln (Foto: P. Lutz)

Von Sonntag bis Sonntag im August fanden Straßenexerzitien an einem besonderen Ort in Köln statt, der Obdachlosenkirche „Gubbio“. Dort trafen sich sieben Teilnehmerinnen und Teilnehmer: vier Frauen, drei Männer und zwei Hunde waren sieben Tage lang unterwegs auf den Straßen in Köln. Zwei Teilnehmer kamen direkt aus der Gubbio-Gemeinde und fünf Teilnehmer hatten sich über das Internet angemeldet. Auch die Begleitung war eine besondere Erfahrung.

Diese Straßenexerzitien waren eine ganz besondere Woche, besonders auch für uns vier Begleiter*innen; denn die Straßenexerzitien fanden zum ersten Mal in der „Heimat“ der Obdachlosen statt. „Straßenexerzitien an einem besonderen Ort: Erfahrungen der Begleiter“ weiterlesen

Gott läßt sich nicht verstrukturieren

 

Christian Herwartz ist dafür bekannt, dass er vieles auf sich zukommen lässt, vieles spontan tut und entscheidet. Er selber würde wohl dazu sagen: „sich von Gott in jeder Situation beschenken“ lässt. Von diesem Geist sind auch die Straßenexerzitien sehr geprägt. Da stellt es natürlich eine besondere Herausforderung dar, wenn es Gruppen gibt, die klare Formen und Strukturen einfordern. Ein Erfahrungsbericht: „Gott läßt sich nicht verstrukturieren“ weiterlesen

Photos eines inneren Weges

Andrea Stölzl war auf diese Weise 2007 in München unterwegs und hat zum abendlichen Austausch einige Fotos mitgebracht. Diese Herzensbilder helfen wie ein Tagebuch, sich an die eigenen Gefühle und Einsichten aus der Mitte ihrer Person zu erinnern.

Fotos eines inneren Weges

„Mit statt für“ – Begegnung mit Geflüchteten auf Augenhöhe

Bei Straßenexerzitien üben wir es, aufmerksam auf unser Leben und unsere Umwelt zu schauen. Nadine Sylla hat lange in der WG Naunynstraße mitgelebt und bereits öfter Straßenexerzitien begleitet und daran teilgenommen. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen hat sie über ihr Engagement in der Arbeit mit Geflüchteten nachgedacht: „„Mit statt für“ – Begegnung mit Geflüchteten auf Augenhöhe“ weiterlesen

So viel Zeit!

Erfahrungen bei Straßenexerzitien – von Olav Hamelinck

Unser Ordensgründer Leo Dehon (Herz-Jesu-Priester) war davon überzeugt: „Wenn man einen Menschen lieben will, muss man ihn kennen. Wenn man ihn kennenlernen will, muss man ihn aufsuchen“. Jetzt oder nie – dachte ich mir im Frühjahr 2014 vor meiner Veränderung vom Hausoberen der einen Gemeinschaft zum „Oberhausener Gemeinschafts-Mitglied“ und entscheide mich für Straßenexerzitien.

„So viel Zeit!“ weiterlesen

Exerzitien in einem finnischen Frauengefängnis

FRAGMENTE DER EXERZITIEN IM FINNISCHEN FRAUENGEFÄNGNIS

von Saku Toiviainen

Ich arbeitete etwa elf Jahre als Gefängnisseelsorger in Helsinki. Schon in dieser Zeit gab es den Traum, dass wir Exerzitien in Gefängnissen haben könnten. Es war nicht möglich. Aber der Traum ist später im Frauengefängnis in Erfüllung gegangen. Marjatta, eine finnische evangelische Pastorin, hat mit mir drei Mal bei 8-tägigen Exerzitien in Hämeenlinna Frauengefängnis begleitet. Jedes Mal gab es mit uns sechs Frauen. Jetzt gibt es eine Pause und niemand weiß, ob es noch weitergeht. Mit großer Dankbarkeit denke ich an die Frauen, mit denen ich diese gemeinsame Zeit verbrachte. Hoffentlich ist es möglich etwas mit den gefangen Frauen mit diesen Fragmenten zu teilen.

  • Sie wohnte früher länger als 20 Jahre vorher in der gleichen Zelle, die wir jetzt als einen Gesprächsraum haben. „Das kann nicht nur ein Zufall sein, sondern ein Zeichen für den Beginn von etwas Neuem“, sagt sie. Wie bemerke ich ein Zeichen von einem Neubeginn in meinem Leben?
  • Täglich läuft sie in einem kleinen, viereckigen Hof, der nur für uns zur Verfügung gestellt ist. Kann sie sich selbst damit erreichen? Wie erreiche ich mich selbst?
  • Beim Ankommen erhält jede Gefangene eine eigene Nummer, die in der ganzen Strafzeit mit dem Familiennamen verbunden wird. Wegen der Nummer haben die Gefangenen oft das Gefühl, ihre eigene Identität zu verlieren. Darum finden die gefangenen Frauen es wichtig, dass wir sie bei Exerzitien mit ihren Vornamen anreden. Mit welchem Namen redet Gott uns an?
  • In der Messe am Abend zündet jede Teilnehmerin ihre eigene Kerze an, die in einem farbigen Becher steht. Die selbstgewählte Farbe des Bechers bringt etwas von der Einzigartigkeit der Teilnehmerin zum Vorschein. Wenn die Kerzen in der Messe brennen, sprechen sie nicht über Gemeinsamkeit, die in der Verschiedenheit möglich ist?
  • Die lebenslängliche Freiheitsstrafe hat sie tief geprägt. Sie definiert sich als Frau, die eine lebenslängliche Freiheitsstrafe hat. „Aber was bist du für dich selbst?“, frage ich. „Danach frage ich auch“, sagt sie. Wer definiert, was ich eigentlich bin?
  • Acht Tage Exerzitien in der Stille im Gefängnis. „Was macht ihr eigentlich in der Abteilung?“ fragt ein Wächter. „Nichts Besonderes. Wir beten, lesen, reflektieren und nehmen an der Messe teil.“ Aber ist das gerade das Besondere im Gefängnis?
  • Jeden Abend betet sie für ihre drei Kinder, die sie umgebracht hat. Hat eine Fürbitte eine Bedeutung auch in meinem Leben?
  • Wegen der siebentätigen Fahrt von Ost-Finnland nach Hämeenlinna hat sie ihre Exerzitien schon eine Woche vor dem offiziellen Anfang begonnen. Sie übernachtete in fünf verschiedenen Zellen bei der Polizei. Auf der Rückfahrt erwartet sie das gleiche. Sprechen diese Bemühungen nicht für ihre Sehnsucht?
  • „Ich nehme eure Abfälle nicht mit. Sie gehören nicht zu mir.“, sagt eine Wächterin. „Zu wem gehören sie? Wohin können wir unsere Abfälle bringen?“ Keine Antwort. Sie zieht eine starke Grenze zwischen uns. Welche Grenze ziehe ich zwischen Menschen?
  • Am letzten Tag zieht sie sich um, um auf das strenge Leben im Gefängnisvorbereitet zu sein. Mir scheint ihre schwarze Kleidung wie eine schutzgebende Mauer. Aber bemerke ich nicht meine eigene Mauer, hinter der ich mich verstecke?