Interreligiöses Friedensgebet

Mündigkeit bewahren und zu Verantwortung stehen

Als Gesellschaft wollen wir einander Rechte und Schutz gewähren, diese sind festgehalten in Gesetzen. Nun beobachten wir in letzter Zeit immer häufiger, dass die Gewährung und der Zugang zu diesen grundlegenden Rechten in Deutschland, Europa aber auch in anderen Staaten an private Unternehmen übergeben werden.

Altenheime und Krankenhäuser werden von Betreiberfirmen nach betriebswirtschaftlichen Kriterien geführt. Schutz und Hilfe bei Unfällen kommt immer öfter von privaten Dienstleistern.

Verwaltungen übergeben die Verantwortung für Gemeindezentren und Flüchtlingsunterkünfte und ersetzen sie durch Verträge mit Betreiberfirmen. Die Verantwortung für Flüchtlingsheime, Übergangsunterkünfte und auch das Abschiebegefängnis am Berliner Flughafen wurden und werden an Vertragspartner ausgelagert.

Grenzsicherung ist ein anderes Beispiel für dieses Vorgehen. — Weiterlesen

Andrea Stölzl: Fotos eines inneren Weges

Zehn Tage aufmerksamer werden ist das Ziel von Geistlichen Übungen (Exerzitien) auf der Straße, die eine Berliner Gruppe Ordensleute gegen Ausgrenzung in einigen Städten anbietet: Mehr Achtsamkeit für das Leben in der jeweiligen Umgebung und in der eigenen Person. Auf einem Spielplatz oder Friedhof, am Treffpunkt von Drogenabhängigen, in einer Suppenküche oder einer Gedenkstätte des Widerstandes durchlaufen die Übenden einen je eigenen überraschenden Prozess. Sie stoßen von ihren Herzen geführt auf Orte und Botschaften – das kann durch eine Werbetafel, ein Klingelschild, einen Gruß oder ein Gespräch geschehen -, die sie aufwühlen, ihnen die Schuhe ausziehen und sie ins Staunen versetzen. „Andrea Stölzl: Fotos eines inneren Weges“ weiterlesen

Radikale Demut ist Liebe

Liebe Freunde,

im aktuellen JESUITEN-Heft „Radikal“ wurde ein Beitrag von mir veröffentlicht: „Radikale Demut ist Liebe“. In meiner Diplomarbeit ging es um Demut in den Exerzitien. Der Artikel ist die Kurzfassung davon. Er steht auf den Seiten 6-7. Auch die anderen Artikel zum Thema „Radikal“ in dem Heft sind sehr lesenswert:

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Die Heftchen liegen – wie ihr wisst kostenlos – in allen Jesuitenkirchen und sonstigen Orten der Jesuiten aus, und man kann das Heftchen kostenlos abonnieren. Spenden kann der Orden auch gut gebrauchen.

Herzliche Grüße
Matthias Alexander Schmidt

Ökumene der Märtyrer

Klaus Mertes SJ

In seiner Enzyklika „Tertio Millennio Adveniente“ schreibt Johannes Paul II.: „Der Ökumenismus der Heiligen, der Märtyrer, ist vielleicht am überzeugendsten. Die Gemeinschaft der Heiligen spricht mit lauterer Stimme als die Urheber der Spaltung.“ (Nr. 37) Wenn das so ist – und es ist ja so –, warum wird dann im Land der Reformation nur so leise darüber gesprochen, dass in demselben Land, „Gott unter den Getauften die Gemeinschaft unter dem höchsten Anspruch des mit dem Opfer des Lebens bezeugten Glaubens“ aufrecht erhielt (vgl. Ut unum sint, Nr. 84). Wie kann man auf 1517 zurückblicken, ohne sich den Blick durch 1944/45 verstellen zu lassen?

Kurze Erinnerung an das besonders markante Beispiel der Märtyrer-Gefährtenschaft von Alfred Delp SJ und Helmuth J. von Moltke: Gemeinsam standen sie am 10. Januar 1945 vor dem Volksgerichtshof, der sie zum Tode verurteilte: da man ihnen nichts anderes nachweisen konnte als dies, dass sie miteinander im Kreisauer Kreis gesprochen hatten. Was die Gefährten aber am Prozessverlauf überraschte, war: Der Anklagepunkt wurde dahingehend präzisiert, dass sie als Christen miteinander über die Zukunft Deutschlands konferiert hatten. Seiner Frau Freya schreibt Moltke: „Und dann wird dein Wirt [„Wirt“ ist die übliche Selbstbezeichnung Moltkes in den Briefen an seine Frau] ausersehen, als Protestant vor allem wegen seiner Freundschaft mit Katholiken attackiert und verurteilt zu werden, und dadurch steht er vor Freisler nicht als Protestant, nicht als Adliger, nicht als Preuße, nicht als Deutscher – das ist alles ausdrücklich in der Hauptverhandlung ausgeschlossen –, sondern als Christ und als gar nichts anderes … Zu welch einer gewaltigen Aufgabe ist Dein Wirt ausersehen gewesen: All die viele Arbeit, die der Herrgott mit ihm gehabt hat, die unendlichen Umwege, die verschrobenen Zickzackkurven, die finden plötzlich in einer Stunde am 10. Januar 1945 ihre Erklärung. Alles bekommt nachträglich einen Sinn, der verborgen war.“ Und er fügt in eindrucksvoller Souveränität hinzu: „Das hat den ungeheuren Vorteil, dass wir nun für etwas umgebracht werden, was wir a. gemacht haben, und was b. sich lohnt.“

Das Jubiläum 2017 wäre eigentlich ein Anlass, diese beiden Texte radikal ernst zu nehmen. Eine „gewaltige Aufgabe“ entdeckt Moltke. Es ist nicht mehr die Aufgabe, Deutschland nach dem Krieg wieder aufzubauen, sondern die noch größere, die Konfessionsgrenzen durch das Martyrium zu überschreiten, letztlich also: Die Kirche neu aufzubauen. Dazu sieht er sich rückblickend „ausersehen“. Das ist biblischer Sprachstil, „passivum divinum“. Moltke, der mit seinen Gefährten in der Gefangenschaft intensiv die Bibel gelesen hat, kennt die Sprache der Bibel. Er deutet sein Todesurteil geschichtstheologisch: Gott handelt in diesem Prozess selbst. Er hat Moltke „ausersehen“. Er gibt den ganzen Jahren vorher bis hin zum Prozess„nachträglich einen Sinn, der verborgen war.“ Und dieser Sinn heißt: Ökumene. Für Moltke „lohnt“ es sich, dafür zu sterben. Das ist der innere Friede, die „ignatianische“ Tröstung im Heiligen Geist, welche die theologische Erkenntnis Moltkes bestätigt.

Glauben wir als Katholiken und Protestanten heute das, was Moltke da sagt? Wenn wir es glauben, dann hat das Konsequenzen. Dann ist das, was am 31.10.1517 in Wittenberg seinen sichtbaren Ausgang nahm, am 10.1.1945 in Berlin schon von Gott her überwunden worden. Wie kann man dann stehen bleiben und nicht eilends Schritte auf die volle Communio hinmachen wollen? Die Ökumene der Märtyrer jedenfalls ist die eigentliche theologische Herausforderung an die Christenheit heute.

Zuerst publiziert in  in Jesuiten 2/2014

Kontemplation

Einige BegleiterInnen von Exerzitien auf der Straße begleiten auch Kontemplative Exerzitien. Lutz Müller SJ  hat die Verbindungslinien herausgearbeitet:

Das kontemplative Gebet hat dieselben Grundhaltungen wie die Exerzitien auf der Straße. Es geht immer darum, wach, aufmerksam und interessiert da zu sein. Wer in der Kapelle meditiert, in der Stille betet, mit dem Atem da ist, in Ruhe sitzt, der öffnet sich der Wirklichkeit. Es geht um die Begegnung mit der Gegenwart Gottes. Das ist der Moment, wo die eigene Offenheit alle anderen Aktivitäten ersetzt. Die Kontemplation setzt die volle Aufmerksamkeit auf das, was jetzt ist, ohne darüber nachzudenken, die Wirklichkeit zu beurteilen, das Vorhandene zu analysieren. Sondern die Wahrnehmung ist das Entscheidende. Mit allen inneren und äußeren Sinnen lausche, sehe, spüre, taste, schmecke ich. Es geht nicht ums Beobachten, Reflektieren, Kategorisieren, sondern die Wahrnehmung empfängt das, was ist. „Es ist, was es ist, sagt die Liebe!“ (Erich Fried)
Die Natur ist dabei die erste Lehrmeisterin. Weit entfernt davon, in ihr etwas verändern zu wollen, nimmt der Exerzitant die Natur einfach wahr. Die Farben sehen, die Kleinigkeit wahrnehmen, die Geräusche hören, den Details lauschen, die Umrisse erahnen, die Struktur (eines Blattes, eines Steins, eines Asts) ertasten, Feuchtigkeit oder Trockenheit spüren, der Natur ohne vorgefasste Ideen begegnen. Also die Biene als Biene sehen – und sich nicht über das Bienensterben den Kopf zerbrechen. Den Regen auf der Haut spüren – und sich nicht Gedanken über den sauren Regen machen. Die Ameise als Kunstwerk der Schöpfung wahrnehmen – und nicht die Organisationskunst der Ameisenvölker analysieren. Das abgefallene Blatt als Teil der Natur zulassen – und nicht nachdenken über die Umweltverschmutzung. Die Blüte bewundern – und nicht die Unreinheit ihrer Farbe kritisieren.
Genauso wie Mose dem brennenden Dornbusch mit Aufmerksamkeit und Respekt begegnet, ohne ihn verändern, gestalten oder nutzen zu wollen, genauso begegnet der Kontemplative der Wirklichkeit. Genauso wie Mose vor der Gegenwart Gottes im brennenden und nicht verbrennenden Dornbusch die Schuhe auszieht, sich vor ihr niederwirft, sein Gesicht bedeckt und ins Hören kommt, genauso sitzt und atmet, verweilt und ist, erspürt und begegnet der Kontemplative der Gegenwart Gottes in der Wirklichkeit. mehr

 

Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt

Als „großen Moment in der weltweiten Ökumene“ lobten Glieder unterschiedlicher Konfessionsfamilien die Unterzeichnung der „Empfehlungen für missionarisches Handeln“, die gemeinsam vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK), der Weltweiten Evangelische Allianz (WEA) und dem Päpstlichen Rat für Interreligiösen Dialog des Vatikan (PCID) vollzogen worden waren. Diese Representanten werden getragen von etwa 85 % aller Christen weltweit.

Das Dokument „Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt“, das im Sommer 2011 verabschiedet wurde, wird seither auf unterschiedlichen Ebenen weltweit und in Deutschland diskutiert.

Es ist nun Grundlage des Kongresses „MissionRespekt. Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt“ in Berlin, der vom 27.-28. August dort stattfindet.

Die Einladung zum Kongress: http://missionrespekt.de/fix/files/das-ist-der-richtige.2.pdf (Gregor geht in den Arbeitskreis Afrika, Christian ist eingeladen in den Arbeitskreis 10 Asyl und Taufe

Das Dokument: http://www.missionrespekt.de/fix/files/original-ohne_das.de.pdf

Und hier die Abschlußerklärung der 250 TelnehmerInnen: : http://missionrespekt.de/fix/files/abschlusserkl%E4rung.pdf

Georg hat noch diesen Link geschickt:
http://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/detailansicht/aktuell/kirchen-definieren-mission-neu-89230/