Exerzitien auf der Straße in Hamburg

Mose hütete die Schafe seines Schwiegervaters Jetro, des Priesters von Midian. Einmal trieb er die Schafe über die Steppe hinaus und kam zu dem Berge Gottes, zum Horeb. Da erschien ihm der Engel Jahwes in einer Feuerflamme, mitten aus einem Dornbusch heraus. Und er sah hin, und siehe, der Dornbusch brannte im Feuer, aber der Dornbusch wurde nicht verzehrt. Da dachte Mose: „Ich will doch hingehen und dieses seltsame Schauspiel betrachten, warum der Dornbusch nicht verbrennt.“ Als Jahwe sah, daß er herantrat, um nachzusehen, rief Gott ihm aus dem Dornbusch zu: „Mose, Mose!“ Dieser antwortete: „Hier bin ich!“ Da sprach Er: „Tritt nicht näher heran! Ziehe deine Schuhe von deinen Füßen, denn der Ort, auf dem du stehst, ist heiliger Boden!“ Und er fuhr fort: „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, Der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.“ Da verhüllte Mose sein Angesicht, denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.

Exodus 3, 1-6

Exerzitien auf der Straße in Hamburg-Altona

Respektvolles Sehen und Hören üben

vom Freitag, den 17. bis Sonntag, den 26. Juli 2015

in der Kirchengemeinde der Hauptkirche St. Trinitatis, Altona „Exerzitien auf der Straße in Hamburg“ weiterlesen

Theologische Überlegungen nach Exerzitien in Kreuzberg

Kottbusser Tor bei Nacht. Boris Niehaus. cc-by-sa https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Kottbusser_Tor_Panorama.jpg

THEOLOGISCHE ÜBERLEGUNGEN
nach den Exerzitien in Kreuzberg (August 2001)

Klaus Mertes SJ

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Das Fundament der Exerzitien ist die Ausgangsfrage: „Was macht mich am meisten zornig? Was ärgert mich am meisten?“ Die Frage ist gestellt, um hinter dem Nein des Zornes dem Ja auf die Spur zu kommen, das ich ganz tief in meinem Leben bejahe, mehr vielleicht, als ich es selbst weiß. In dieser Ausgangsfrage, als Frage nach meinem Fundament gestellt, steckt eine Erinnerung an das Glaubenbekenntnis in der Taufe. „Theologische Überlegungen nach Exerzitien in Kreuzberg“ weiterlesen

Franziskus zur Straße als Ort der Gegenwart Gottes

Papst Franziskus hat in seinem ersten apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium (Nr. 71) einige Sätze geschrieben, die sich wie eine Einladung zu Exerzitien auf der Straße lesen:

Papst Franziskus (Quelle: Wikimedia)Das neue Jerusalem, die heilige Stadt (vgl. Offb 21,2-4) ist das Ziel, zu dem die gesamte Menschheit unterwegs ist. Es ist interessant, dass die Offenbarung uns sagt, dass die Erfüllung der Menschheit und der Geschichte sich in einer Stadt verwirklicht. Wir müssen die Stadt von einer kontemplativen Sicht her, das heißt mit einem Blick des Glaubens erkennen, der jenen Gott entdeckt, der in ihren Häusern, auf ihren Straßen und auf ihren Plätzen wohnt. Die Gegenwart Gottes begleitet die aufrichtige Suche, die Einzelne und Gruppen vollziehen, um Halt und Sinn für ihr Leben zu finden. Er lebt unter den Bürgern und fördert die Solidarität, die Brüderlichkeit und das Verlangen nach dem Guten, nach Wahrheit und Gerechtigkeit. Diese Gegenwart muss nicht hergestellt, sondern entdeckt, enthüllt werden. Gott verbirgt sich nicht vor denen, die ihn mit ehrlichem Herzen suchen, auch wenn sie das tastend, auf unsichere und weitschweifige Weise, tun.

Ökumene der Märtyrer

Klaus Mertes SJ

In seiner Enzyklika „Tertio Millennio Adveniente“ schreibt Johannes Paul II.: „Der Ökumenismus der Heiligen, der Märtyrer, ist vielleicht am überzeugendsten. Die Gemeinschaft der Heiligen spricht mit lauterer Stimme als die Urheber der Spaltung.“ (Nr. 37) Wenn das so ist – und es ist ja so –, warum wird dann im Land der Reformation nur so leise darüber gesprochen, dass in demselben Land, „Gott unter den Getauften die Gemeinschaft unter dem höchsten Anspruch des mit dem Opfer des Lebens bezeugten Glaubens“ aufrecht erhielt (vgl. Ut unum sint, Nr. 84). Wie kann man auf 1517 zurückblicken, ohne sich den Blick durch 1944/45 verstellen zu lassen?

Kurze Erinnerung an das besonders markante Beispiel der Märtyrer-Gefährtenschaft von Alfred Delp SJ und Helmuth J. von Moltke: Gemeinsam standen sie am 10. Januar 1945 vor dem Volksgerichtshof, der sie zum Tode verurteilte: da man ihnen nichts anderes nachweisen konnte als dies, dass sie miteinander im Kreisauer Kreis gesprochen hatten. Was die Gefährten aber am Prozessverlauf überraschte, war: Der Anklagepunkt wurde dahingehend präzisiert, dass sie als Christen miteinander über die Zukunft Deutschlands konferiert hatten. Seiner Frau Freya schreibt Moltke: „Und dann wird dein Wirt [„Wirt“ ist die übliche Selbstbezeichnung Moltkes in den Briefen an seine Frau] ausersehen, als Protestant vor allem wegen seiner Freundschaft mit Katholiken attackiert und verurteilt zu werden, und dadurch steht er vor Freisler nicht als Protestant, nicht als Adliger, nicht als Preuße, nicht als Deutscher – das ist alles ausdrücklich in der Hauptverhandlung ausgeschlossen –, sondern als Christ und als gar nichts anderes … Zu welch einer gewaltigen Aufgabe ist Dein Wirt ausersehen gewesen: All die viele Arbeit, die der Herrgott mit ihm gehabt hat, die unendlichen Umwege, die verschrobenen Zickzackkurven, die finden plötzlich in einer Stunde am 10. Januar 1945 ihre Erklärung. Alles bekommt nachträglich einen Sinn, der verborgen war.“ Und er fügt in eindrucksvoller Souveränität hinzu: „Das hat den ungeheuren Vorteil, dass wir nun für etwas umgebracht werden, was wir a. gemacht haben, und was b. sich lohnt.“

Das Jubiläum 2017 wäre eigentlich ein Anlass, diese beiden Texte radikal ernst zu nehmen. Eine „gewaltige Aufgabe“ entdeckt Moltke. Es ist nicht mehr die Aufgabe, Deutschland nach dem Krieg wieder aufzubauen, sondern die noch größere, die Konfessionsgrenzen durch das Martyrium zu überschreiten, letztlich also: Die Kirche neu aufzubauen. Dazu sieht er sich rückblickend „ausersehen“. Das ist biblischer Sprachstil, „passivum divinum“. Moltke, der mit seinen Gefährten in der Gefangenschaft intensiv die Bibel gelesen hat, kennt die Sprache der Bibel. Er deutet sein Todesurteil geschichtstheologisch: Gott handelt in diesem Prozess selbst. Er hat Moltke „ausersehen“. Er gibt den ganzen Jahren vorher bis hin zum Prozess„nachträglich einen Sinn, der verborgen war.“ Und dieser Sinn heißt: Ökumene. Für Moltke „lohnt“ es sich, dafür zu sterben. Das ist der innere Friede, die „ignatianische“ Tröstung im Heiligen Geist, welche die theologische Erkenntnis Moltkes bestätigt.

Glauben wir als Katholiken und Protestanten heute das, was Moltke da sagt? Wenn wir es glauben, dann hat das Konsequenzen. Dann ist das, was am 31.10.1517 in Wittenberg seinen sichtbaren Ausgang nahm, am 10.1.1945 in Berlin schon von Gott her überwunden worden. Wie kann man dann stehen bleiben und nicht eilends Schritte auf die volle Communio hinmachen wollen? Die Ökumene der Märtyrer jedenfalls ist die eigentliche theologische Herausforderung an die Christenheit heute.

Zuerst publiziert in  in Jesuiten 2/2014

Jahrestreffen der Exerzitien-BegleiterInnen in Dortmund

Am 7.-9. Febuar trafen sich in Dortmund ca. 40 Menschen, die als Begleiter von Exerzitien auf der Straße schon aktiv sind oder es noch werden wollen. Das Jahrestreffen fand in der Pfarrei St. Clement in Dortmund statt. Dank an Andreas und Katrin für die wunderbare Beherbergung, und an alle anderen, die mitgewirkt haben.

Am Rande hat einer uns auf der Straße ein paar Botschaften gesandt:

… in einem Fenster an der Straße …

In einem Fenster an der Straße

… an einem Lampenpfahl kurz danach …

Fundstück an einem Lampenpfahl in Dortmund