Angebot für eine Sabbatzeit in der Naunynstraße

Christian Herwartz
mit Iris und Michael
in der jesuitischen Kommunität Kreuzberg
Naunynstr. 60
10997 Berlin

Berlin, den 1. Dezember 2015

                      „Wir suchen Dich“

Liebe Freunde und Weggefährten unserer Kommunität,

Mitte April wird Christian nach 40 Jahren diesen Ort verlassen und
wir wollen dann mit einem Priester zusammen hier weiterleben.

„Angebot für eine Sabbatzeit in der Naunynstraße“ weiterlesen

Rückführungen – Ausweisungen

Alte rassistische Erinnerungen aus der dunkelsten Zeit unseres Volkes werden bei den Rückführungen in scheinbar „sichere Herkunftsländer“ wach, hier die Ausrottung der Zigeuner/Roma. Oft zu unserm direkten Nachteil:

Liebe Freunde, 
ich schreibe euch, weil die Ausreise einer wunderbaren Roma-Familie, die ich hier kennen lernen durfte, nun unmittelbar bevorsteht. Alle Versuche, ihnen eine Chance in unserem Land zu geben, sind gescheitert. Der Antrag beim Petitionsausschuss des Landes Rheinland-Pfalz wurde abgelehnt, obwohl 2 Monate zuvor ein identischer "Fall" aus Speicher noch positiv beschieden wurde. In der jetzigen Situation gibt es für Menschen vom Balkan bei uns keinen Platz mehr, da können sie noch so gut integriert sein und Deutsch sprechen wie diese Familie (die älteste Tochter, 10 Jahre alt, 4.Grundschulklasse, spricht 4 Sprachen und kann nach Aussage ihrer Lehrerin besser Deutsch als manche deutschen Kinder). Der Mann hat ein Arbeitsplatz- und zwei Ausbildungsplatzangebote und leistet bis zum heutigen Tag regelmäßig freiwillige gemeinnützige Arbeit für die VG Prüm. Er würde sehr gerne in unserem ländlichen Raum bleiben und damit den viel beschworenen Nachwuchs sichern helfen, stattdessen wird er jetzt vor dem Winter mit 3 Kindern auf die Straße gesetzt.

90 000 Einwohner hat unser Eifelkreis, bis Ende des Jahres werden wir 1200 Flüchtlinge aufnehmen, da ist für diese Familie, für die sich so viele eingesetzt haben und die in der Lage wäre, für sich selbst zu sorgen, kein Platz mehr. Das ist Herbergssuche 2015! Die Familie hat mittlerweile unterschrieben, dass sie nach Ablehnung all ihrer Anträge unser Land freiwillig verlassen wird und wir mussten in der letzten Woche bei der Kreisverwaltung darum betteln, dass sie in ein Balkanland ihrer Wahl ausreisen dürfen - nämlich dahin, wo sie wenigstens noch entfernte Verwandte besitzen. Noch ist nicht klar, ob das gestattet wird, obwohl sie bis auf eins der Kinder gültige Pässe für dieses Land ihrer Wahl besitzen. Der Kinderpass müsste nur noch verlängert werden. Wie Verbrecher sollen sie außer Landes gebracht werden und dürfen nicht einmal mit einem Onkel reisen, der sie abholen würde. Das alles nur mit dem, was sie tragen können: Aminas Frisierpuppe und Ramadans kleiner Tischkicker werden hierbleiben müssen, ebenso Bettwäsche und Decken und die wenigen Dinge, die sie hier für den Haushalt angeschafft haben. Aus diesem Grund bemühen wir uns, ihnen einen halbwegs anständigen Abschied zu bereiten, neben unserer Freundschaft möchten wir ihnen etwas mitgeben, was sich gut transportieren lässt - nämlich Geld: Deshalb bitte ich um eine Spende auf folgendes Spendenkonto, das auf meinen Namen unter dem Stichwort "Samet" bei der Raiba Westeifel angelegt ist: IBAN: DE 26586619010225021708 BIC: GENODED1WSC.

Bitte habt Verständnis dafür, dass ich in diesem Zusammenhang auf diesem Wege alle Menschen anbettele, die sich in meinem Adressbuch befinden - auch die, die ich lange nicht gesehen habe und denen die Familie unbekannt ist. 

Beste Grüße und eine schöne Vorweihnachtszeit Martina Fröhlinger  

PS: Es gibt einen anonymen Spender, der jeden eingehenden Beitrag ab 10 Euro verdoppelt - es lohnt sich also!

 

 

Zwischen Menschlichkeit und Überforderung? Flüchtlinge in Deutschland

Andreas Fisch (Dortmund), ein Begleiter der Exerzitien auf der Straße, hielt und hält noch Vorträge:

  • 30. November 2015, 18:00 Uhr, Kommende Dortmund
    Die wachsende Spaltung in Arm und Reich. Ursachen und Lösungsansätze. Mehr hier
  • 7. Dezember 2015, 19:00 Uhr, Franziskus-Gymnasium Vossenack/Hürtgenwald
    Zwischen Menschlichkeit und Überforderung? Die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland. Mehr hier.
  • 20. Februar 2016, 14:00 Uhr, didacta – die Bildungsmesse, Köln
    Comics/Graphic Novels für junge Erwachsene im Unterricht. Von Flüchtlingen, Randgruppen und Religionen. Mehr hier.
  • 18. April 2016, Katholische Kirchengemeinde St. Nikolaus von Flüe, Dortmund
    Umverteilung geht anders – Wie sich die Spaltung in Arm und Reich überwinden lässt. Mehr hier.

 

Männerexerzitien in München ein Bericht

Iss6 Barefoot image

Barefoot in Munich

Download des Artikels im Journal of Missional Practice hier

Can God be found on the streets of Munich? Munich, of all places, a city of wealth, pride and power with its designer stores and business headquarters?

It was Father Christian Herwartz SJ who encouraged us, a group of men from all over Germany, to believe just that. He had practiced ‘Street Exercises’ in Kreuzberg, a neighborhood in Berlin famous for its rebellious spirit. So we met in St. Martin’s Lutheran Church, slept on the balcony of the sanctuary, met for breakfast and prayer in the mornings and then set off individually into the bustle and noise of the streets.

Cities are the deserts of the 21st century. Brick and concrete walls radiate the loneliness that pervades these places, just as the rocks and sand did when the desert fathers moved away from the centers of worldly Christianity to find God afresh.

„Männerexerzitien in München ein Bericht“ weiterlesen

Egalisierung und Versammlungsfreiheit

von Matthias Alexander Schmidt

In diesem Artikel wird der Zusammenhang dargestellt zwischen den Straßenexerzitien und dem Engagement der Ordensleute gegen Ausgrenzung, aus deren Reihen bei den ersten offen ausgeschriebenen Exerzitien im Jahr 2000 die Begleiterinnen kamen.

Die Egalisierung der Innenstädte, Fußgängerzonen, Bahnhöfe und Flughäfen hat zu der Vorstellung geführt, Öffentlichkeit gäbe es nur dort, wo es auch Konsum gibt. Dass das nicht stimmt, zeigt das aktuelle BGH-Urteil zur Demonstration vor dem Abschiebeknast des Berliner Flughafens.


Keine Öffentlichkeit für Hässlichkeit und Elend
Unangenehme Orte wie Gefängnisse oder Flüchtlingsheime passen nicht in die egalisierten Städte, sie sind an hässlichen und unwirtlichen Orten, am Stadtrand oder in Gewerbegebieten. Auch wenn sie umzäunt oder hässlich sind, sie sind trotzdem öffentlich. Man darf sich dort verfassungsgemäß versammeln und gegen Unrecht demonstrieren. Die Demonstranten halten die Hässlichkeit aus.

„Egalisierung und Versammlungsfreiheit“ weiterlesen

Ein französisches Buch zu Straßenexerzitien

Jetzt ist das erste Buch in Frankreich zu den Straßenexerzitien auf dem Markt:
Nos villes, d’un coer brulént Les Exercices spirituels dans la rue
in der Reihe Vie chrétiennne herausgegeben von Chr. Herwartz, s.j. et compagnons

Unter folgendem Link findet sich die Verlagsankündigung und die ersten 42 Seiten des Buches: http://fidelite.be/livre-Nos-villes,-d-un-c%C5%93ur-brulant-825.html

 

Besuch an Europas FestungsMAUER

Die Medien haben in den letzten Wochen groß berichtet, dass Deutschland an der Grenze zu Österreich Kontrollen einführt. An einer anderen Grenze sind diese Kontrollen seit Jahren Standard. Es gibt dort auch eigens eingerichtete Gefängnisse, um Flüchtlinge einzusperren und schnell wieder abschieben zu können. Eines dieser Gefängnisse befindet sich auf dem Gelände des Flughafens Berlin-Schönefeld wie auch an mehreren anderen internationalen Flughäfen in Deutschland.

Ein Hinsehen soll verhindert werden. Dem Jesuitenpater Christian Herwartz wurde seit dem 3.10.2012 verboten, wie auch in den Jahren darauf eine Mahnwache vor dem Flughafengefängnis in Schönefeld abzuhalten. Auch eine Klage hatte zunächst keinen Erfolg. Nun hat jedoch der Bundesgerichtshof  entschieden, dass der Staat seine Gefängnisse nicht derart verstecken darf. Die erste Mahnwache direkt vor dem Flughafengefängnis wird nun stattfinden.

Seit Jahren sterben Tausende Menschen auf dem Weg nach Deutschland und Europa, weil sie sich in die Hände von Schleppern begeben müssen. Doch auch in der aktuellen Debatte spielt es kaum eine Rolle, dass die Europäische Union Bürgerkriegsflüchtlinge und politisch Verfolgte „in die Boote zwingt“, obwohl eine Flucht per Flugzeug und ohne Schlepper für sie viel billiger wäre.

Auch wenn das Flughafengefängnis in Schönefeld derzeit als Asylbewerberunterkunft genutzt wird, steht es beispielhaft für die Leben vernichtende Politik Deutschlands und Europas. Die Mahnwache gibt die Gelegenheit, sich dieser Situation bewusst zu werden. Sie findet statt am 3. 10. 2015 um 15 Uhr.

Wegbeschreibung: Vom S-Bahnhof Schönefeld auf der vierspurigen Straße 200 Meter Richtung Schönefeld gehen, dann nach links abbiegen und den Schildern „Luftfracht – CargoZentrum“ folgen. Gegenüber vom CargoZentrum ist die Haftanstalt in einem Flachbau, aktuell Asylbewerberheim. (etwa 10 Minuten Fußweg). Genaue Position: goo.gl/maps/cyYFe

Weiter Informationen finden Sie unter flughafenverfahren.wordpress.com.

Handzettel-Mahnwache-03-10-2015

Das Erkämpfte durchführen

Drei Jahre bin ich durch die Instanzen der Gerichte gegangen, um eine Mahnwache vor der Abschiebehaft auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld anmelden zu dürfen. Am 3.Oktober (im Gedenken des Falls der Berliner Mauer) wollen wir auch darum bitten, dass diese Gefängnismauern fallen können.

Die Herausforderung sich den ankommenden Flüchtlingen in ihrer Not zu stellen ist in den Jahren des Prozesses drängender geworden. Nur sehr wenige können über den Luftweg zu uns kommen. Sie werden ohne ausreichende Papiere im Gefängnis empfangen. Dort wollen wir hinsehen am 3. Oktober 15 um 15 Uhr am Ende der bundesweiten Woche der Interkulturellen Woche. Einzelheiten hier auf dem Handzettel

Christian Herwartz