Herr, der Tag und was er bringen mag

Tag_1 (Foto: Kathrin Happe)

Herr, der Tag und was er bringen mag,
Sei mir aus deiner Hand gegeben.
Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Du bist der Weg, ich will ihn gehen.
Du bist die Wahrheit, ich will sie sehen.
Du bist das Leben, mag mich umwehen.

Von Michael Ertl

Mit diesen Worten beginnt ein Gebet, dass mir meine Eltern vor über 30 Jahren in die Bibel schrieben, die ich von ihnen zu meiner Firmung bekam. So hat es mich sehr berührt, als genau dieses Gebet von Regina, einer Teilnehmerin der Strassenexerzitien, während eines Gebetsimpulses am Morgen zitiert worden war. Hatte ich dieses Gebet in früheren Jahren oft am Morgen eines neuen Tages gebetet, so war es irgendwann in Vergessenheit geraten und erstand in diesem Augenblick erneut vor meinen inneren Augen. Wie eine Folie legen sich die Worte dieses Gebetes jetzt unter die Erfahrungen, die ich in den vorausgegangenen Tagen auf den Straßen Berlins machen durfte. Der Weg war in diesen Tagen zur Straße geworden, die Wahrheit widerspruchsvoll und das Leben forderte mich auf ungewohnte Weise heraus.

„Du bist der Weg, ich will ihn gehen.“

Die schönen Wald- und Wiesenwege der belgischen Eifel, in der ich lebe, waren zum harten Asphalt einer Großstadt geworden. Am Anfang dieser Exerzitientage stand ich auf dem Alexanderplatz, wo mich eine mit roten Buchstaben aufgeklebte Schrift dazu einlud, den „leeren Raum“ zu betreten. Das habe ich im Verlauf der Exerzitien auch versucht. Manchmal zaghaft und immer öfter auch ganz entschieden. Den „leeren Raum“ in mir auszuhalten und mich durch ihn öffnen zu lassen, für das, was Gott mir in diesen Tagen schenken wollte an Begegnungen und Erfahrungen. Den „leeren Raum“ abzuklopfen, nach der eigenen Sehnsucht aber auch nach meinen Ängsten.

„Du bist die Wahrheit, ich will sie sehen.“

Was wahr und falsch ist, das wusste ich doch längst – und wusste es auch nicht. Am dritten Tag der Exerzitien stand ich auf dem Gelände des ehemaligen Frauengefängnisses in der Barnimstraße und sah mich mit folgender Aussage konfrontiert. „Jeder Mensch ist widerspruchsvoll!“ Ich fühlte mich eingeladen, den Wiedersprüchen meines eigenen Lebens nachzuspüren. Aber auch den vielen „Wahrheiten“ offener und verborgener Not, wie sie mir in diesen Tagen auf der Straße begegneten. Oft waren es auch die Erlebnisse anderer, die mir im abendlichen Austausch zeigten, wie ergänzungsbedürftig all das war, was ich bisher für „Wahrheit“ gehalten habe

„Du bist das Leben, mag mich umwehen.“

Wie Leben aussehen kann und zu welcher fülle sie einlädt, das habe ich bisher oft aus der Perspektive derer gesehen, die aus einer „privilegierten Fülle“ heraus leben können. Das Leben, das mich auf dem Straßenstrich der Kurfürstenstraße erwartete war von einer anderen Fülle; einer, die mich mit Scham erfüllte. Prostituierte aus verschiedensten Ländern sprachen mich an und nannten mir ihre Preise. Sprachlosigkeit überkam mich und auch Trauer über das, was mich an diesem Ort an verkauften Leben „umwehte“.

Das Gebet aus meiner ersten Bibel, ich habe es wieder zu beten begonnen. Der Weg lässt mich jetzt an die Straßen Berlins denken, durch die ich in diesen Tagen der Exerzitien gegangen bin; die Wahrheit daran, dass sie so widerspruchsvoll ist wie vieles, was ich in diesen Tagen gesehen habe und das Leben an die vielen Gesichter, die mich in diesen Tagen umwehten.

Michael Ertl

Was haben mir 2016 die „Straßenexerzitien“ in Berlin gezeigt?

Lebe dein Leben (Foto:Kathrin Happe)

Von Lore Weber

Der Begriff „Exerzitien“ war für mich besetzt von dem Verständnis eines Erlebens der inneren Hinwendung zu Gott. In den Strassenexerzitien fand ich ein ganz anderes Verständnis: Jesus unter den Menschen und zwischen den Menschen zu erleben. Er, der von sich sagt, dass Er die Strasse ist – „ich bin der Weg…..“ (Joh. 14,6) – Ihm wollte ich in und bei den Menschen begegnen und Seine Sprache verstehen, wenn Er sagt: „kommt her zu mir alle, die Ihr mühselig und beladen seid.“ (Mat 11,28). „Was haben mir 2016 die „Straßenexerzitien“ in Berlin gezeigt?“ weiterlesen

Straßenexerzitien auf dem Katholikentag 2016

Rucksackberge_klein (Foto: Gabriele Hesse)

Rucksackberge (Foto: Gabriele Hesse)

Auf dem Katholikentag 2016 in Leipzig haben sich an zwei Tagen jeweils gut 50 Menschen für 2 Stunden auf die Straße begeben mit Lk 10, 1-9 als Impuls. Darin gibt Jesus uns folgendes mit auf den Weg:

Geht!
Ich sende euch wie Schafe mitten unter die W
Nehmt keinen Geldbeutel mit,
keine Vorratstasche und keine Schuhe!
Grüßt niemand unterwegs! (k 10, 3-4)

 

Viele haben ihre Taschen und Geldbeutel weggelassen.

Verein für Liebesübungen

Heute ging ich recht spontan in Halle (Saale) eine Stunde auf die Straße – ohne große Erwartungen und Vorsätze. Und doch wurde ich mit einer überraschenden Einsicht beschenkt.

Auf meinem Weg kam ich an einen Laternenpfosten. Dort sah ich einen kleinen Aufkleber: Verein für Liebesübungen stand drauf, unter einem Foto, auf dem ein Mann eine Schimpansin küsst.

Das Wortspiel mit dem Vereinsnamen des VfL Halle 96 ging mir in der Folge weiter durch den Kopf.

Eigentlich, so erschien es mir, sind wir mit den Straßenexerzitien nichts anderes: ein „Verein für Liebesübungen“.

Denn „Gott ist Liebe“ – und wenn wir auf die Straße gehen, um Gott zu begegnen, dann begegnen wir letztlich seiner Liebe.

Exerzitien sind „Übungen“, und bei Exerzitien auf der Straße üben wir ein, Gottes Liebe auf den Straßen zu sehen, und zu erwidern.

Auf meinem Weg durch Halle drangen dann Posaunenklänge an mein Ohr. „Am Brunnen vor dem Tore“ und andere Volkslieder, angestimmt im Garten des Gemeindehauses der evangelischen Paulusgemeinde, aus Anlass eines Frühlingsfestes für Einheimische und Flüchtlinge.

Eine bunte Runde saß da zusammen, über alle Nationen und Hautfarben vereint. Ganz unspektakulär und doch so schön.

„Verein für Liebesübungen“ – so kam es mir dann vor – das könnte auch eine gute Beschreibung für die Kirche sein. Denn „Da ist nicht mehr Grieche oder Jude, Beschnittener oder Unbeschnittener, Nichtgrieche, Skythe, Sklave oder Freier, sondern alles und in allen Christus“, so schreibt Paulus über die Urkirche. Und Christus, das ist Liebe.

Vielleicht ist das unser Auftrag in der heutigen Zeit mehr denn je: Verein für Liebesübungen zu werden. Was denkt ihr?

 

 

München: Treffen der Begleiter/innen von Straßenexerzitien

Jeder Kurs von Straßenexerzitien wird begleitet von meist vier oder mehr ehrenamtlichen Begleiterinnen und Begleitern. Ihre Aufgabe ist es, die Teilnehmer in ihren Erfahrungen geistlich zu begleiten.

Jedes Jahr trifft sich der Kreis ehrenamtlicher Begleiter von Straßenexerzitien zu einem Jahrestreffen, um sich auszutauschen. Vom diesjährigen Treffen in München berichtet Iris Weiss (zuerst auf dem Naunynblog veröffentlicht):

Für mich war es das erste Treffen der Begleiterinnen und Begleiter von Straßenexerzitien, an dem ich am letzten Januarwochenende im spirituellen Zentrum St. Martin in München teilgenommen habe. Vierzig Menschen aus Deutschland, der Schweiz (2) und Frankreich (2) hatten sich angemeldet.

Einige bekannte Gesichter würde ich dort wohl treffen, aber großenteils würde ich auf Unbekannte stoßen – so meine Vorstellung. Einige Begleitende kenne ich, weil sie in der Naunynstraße zu Besuch waren, dort Straßenexerzitien in der Form von Einzelexerzitien machten oder als Begleitende von Straßen-exerzitien dort wohnten. Ich war nicht schlecht erstaunt, als ich feststellte, daß ich fast drei Viertel der Anwesenden bereits kannte. Ich traf sozusagen auf unbekannte Bekannte – oder andersrum, wie man es nimmt 😉 Bei der Vorstellungsrunde sollten wir uns mit einer (noch) unbekannten Person zusammentun und uns zu einer Impulsfrage austauschen (z.B. wann und in welcher Situation hast du zum ersten Mal von Exerzitien auf der Straße erfahren). Es gab mehrere Durchgänge mit unterschiedlichen Fragen und mit wechselnden Unbekannten. Ich hatte richtig Schwierigkeiten unter den bis zu diesem Zeitpunkt Anwesenden so viele Unbekannte zu finden. Von einigen Leuten, die im letzten Jahr seit ich dazugekommenbin in der Naunynstraße waren, hatte ich gar nicht gewußt, daß sie zum Kreis der Begleiterinnen und Begleiter gehören.

Das Vorbereitungsteam hatte Lebensmittel gekauft, die Räume und das Abendessen vorbereitet. Alles andere lag in der Verantwortung der gesamten Gruppe. Wir sammelten die Fragestellungen, die uns auf dem Herzen lagen und entwickelten daraus, welche Themen bedacht werden sollten.

So wurde etwa der Stellenwert einzelner “Basics” in den Blick genommen und daraufhin befragt, was diese aus der Sicht von Teilnehmenden und aus der Sicht von Begleitenden bedeuten. Welchen Stellenwert hat die abendliche Erzählrunde, in der Erfahrungen des Tages benannt werden können? Wie ist das mit den abendlichen Gottesdienst als freiwilligem oder verbindlichem Angebot? Mit großer Offenheit und großem Respekt konnten die unterschiedlichen Sichtweisen thematisiert werden.

Christian wies darauf hin, daß in Zukunft der Anteil der Priester, die Straßenexerzitien begleiten werden, kleiner werden wird. Von daher werden die Begleitenden vor der Herausforderung stehen, in der jeweiligen Situation kreativ Gottesdienstformen zu entwickeln und andere Arten von Impulsen auszuprobieren. Diese Realität war mir bis dahin noch gar nicht in den Blick gekommen, weil bei den Straßenexerzitien, die ich bis jetzt begleitet habe, immer mindestens ein katholischer Prieser und eine evangelische Pfarrerin begleitet haben.

Ein besonderes Highlight am Samstagabend war die Lesung aus dem Buch über Straßenexerzitien (Im Alltag der Straße Gottes Spuren suchen), das im Februar 2016 erscheinen wird. Erst beim Begleitertreffen im letzten Jahr war die Idee zu diesem Buch entstanden. Sechs Interessierte haben sich zusammengefunden und innerhalb eines Jahres das Buch auf den Weg gebracht. Dreißig Teilnehmende haben ihnen dabei geholfen indem sie eigene Erfahrungen mit Exerzitien auf der Straße aufgeschrieben haben. So ist eine gute Mischung aus Theorie und praktischen Erfahrungen entstanden. Und aus diesem Erfahrungsschatz wurde vorgelesen. Bei einem solchen Vorhaben finde ich es eine anspruchsvolle Aufgabe, die Balance zu finden, an Persönlichem Anteil zu geben und doch die Distanz so zu wählen, daß die spirituelle Intimsphäre des Einzelnen gewahrt bleibt. Das fand ich bei den Erfahrungsberichten, die ich gehört habe, sehr gelungen.

Die Anteilnahme und das Interesse wie es in der Naunynstraße nach dem Weggang von Christian weitergehen wird, war sehr groß. Deshalb machten wir dazu am Sonntagmorgen eine Runde, in der Christian, Michael und ich unsere unterschiedlichen Sichtweisen und auch die Prozesse, in denen wir sind, zur Sprache bringen konnten. Ich fragte am Anfang meines Beitrages, wer noch nicht in der Naunynstraße gewesen ist. Es meldeten sich gerade mal zwei Leute. Mir hat das nochmals deutlich gemacht, daß die Gruppe der Begleitenden eine Verbindung zur Naunynstraße hat ohne daß mir das vorher so bewußt gewesen wäre. Auch nach einzelnen Mitbewohnern wurde gefragt. Und als noch viele Lebensmittel übrig waren, hieß es: “Das kann doch die Naunynstraße brauchen”.

Den Abschluß des Treffens bildete ein Gottesdienst, in dem wir die Texte, die in der evangelischen Kirche an diesem Sonntag dran waren, zu uns sprechen ließen und im gemeinsamen Austausch (deutsch und französisch) auf die Straßenexerzitien bezogen.

In der Lesung aus Jesaja 55 hieß es:

Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben…”

Im Gleichnis vom Sämann (Lukas Kapitel 8,4 ff) ging es um die Saat, die auf ganz unterschiedlichen Boden fällt und was mit ihr passiert:

Als wieder einmal eine große Menschenmenge aus allen Städten zusammengekommen war, erzählte Jesus dieses Gleichnis: “Ein Bauer säte Getreide aus. Dabei fielen ein paar Saatkörner auf den Weg. Sie wurden zertreten und von den Vögeln aufgepickt. Andere Körner fielen auf felsigen Boden. Sie gingen auf, aber weil es nicht feucht genug war, vertrockneten sie. Einige Körner fielen zwischen die Disteln, in denen die junge Saat bald erstickte. Die übrige Saat aber fiel auf fruchtbaren Boden. Das Getreide wuchs heran und brachte das Hundertfache der Aussaat als Ertrag.”

Gottesdienst 3
Gottesdienst mit einer senegalesischen Trommlergruppe

Ein besonderes Geschenk waren einige geflüchtete junge Männer aus dem Senegal, die regelmäßig im spirituellen Zentrum St. Martin trommeln. Sie brachten sich als Muslime mit einem Gebet und später mit ihren Trommeln ein. Christian ermutigte sie – soweit sie das wollten – auch zu den Texten etwas zu sagen. Dann teilten wir Wasser und Brot miteinander. Mich hat berührt, daß die Senegalesen sich als Glaubende an verschiedenen Stellen im Gottesdienst einbringen konnten und nicht auf die exotische Sonderrolle derer reduziert wurden, die etwas Musikalisches “beitragen” durften wie ich das leider schon erlebt habe.

Auch wenn ich danach müde war, so hatte dieses Wochenende für mich etwas Ermutigendes und Stärkendes. Wer von den Teilnehmenden mag, kann gerne in den Kommentaren noch ergänzen, was hier noch nicht oder zu wenig benannt ist.

Männerexerzitien in München ein Bericht

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Barefoot in Munich

Download des Artikels im Journal of Missional Practice hier

Can God be found on the streets of Munich? Munich, of all places, a city of wealth, pride and power with its designer stores and business headquarters?

It was Father Christian Herwartz SJ who encouraged us, a group of men from all over Germany, to believe just that. He had practiced ‘Street Exercises’ in Kreuzberg, a neighborhood in Berlin famous for its rebellious spirit. So we met in St. Martin’s Lutheran Church, slept on the balcony of the sanctuary, met for breakfast and prayer in the mornings and then set off individually into the bustle and noise of the streets.

Cities are the deserts of the 21st century. Brick and concrete walls radiate the loneliness that pervades these places, just as the rocks and sand did when the desert fathers moved away from the centers of worldly Christianity to find God afresh.

„Männerexerzitien in München ein Bericht“ weiterlesen

Besuch an Europas FestungsMAUER

Die Medien haben in den letzten Wochen groß berichtet, dass Deutschland an der Grenze zu Österreich Kontrollen einführt. An einer anderen Grenze sind diese Kontrollen seit Jahren Standard. Es gibt dort auch eigens eingerichtete Gefängnisse, um Flüchtlinge einzusperren und schnell wieder abschieben zu können. Eines dieser Gefängnisse befindet sich auf dem Gelände des Flughafens Berlin-Schönefeld wie auch an mehreren anderen internationalen Flughäfen in Deutschland.

Ein Hinsehen soll verhindert werden. Dem Jesuitenpater Christian Herwartz wurde seit dem 3.10.2012 verboten, wie auch in den Jahren darauf eine Mahnwache vor dem Flughafengefängnis in Schönefeld abzuhalten. Auch eine Klage hatte zunächst keinen Erfolg. Nun hat jedoch der Bundesgerichtshof  entschieden, dass der Staat seine Gefängnisse nicht derart verstecken darf. Die erste Mahnwache direkt vor dem Flughafengefängnis wird nun stattfinden.

Seit Jahren sterben Tausende Menschen auf dem Weg nach Deutschland und Europa, weil sie sich in die Hände von Schleppern begeben müssen. Doch auch in der aktuellen Debatte spielt es kaum eine Rolle, dass die Europäische Union Bürgerkriegsflüchtlinge und politisch Verfolgte „in die Boote zwingt“, obwohl eine Flucht per Flugzeug und ohne Schlepper für sie viel billiger wäre.

Auch wenn das Flughafengefängnis in Schönefeld derzeit als Asylbewerberunterkunft genutzt wird, steht es beispielhaft für die Leben vernichtende Politik Deutschlands und Europas. Die Mahnwache gibt die Gelegenheit, sich dieser Situation bewusst zu werden. Sie findet statt am 3. 10. 2015 um 15 Uhr.

Wegbeschreibung: Vom S-Bahnhof Schönefeld auf der vierspurigen Straße 200 Meter Richtung Schönefeld gehen, dann nach links abbiegen und den Schildern „Luftfracht – CargoZentrum“ folgen. Gegenüber vom CargoZentrum ist die Haftanstalt in einem Flachbau, aktuell Asylbewerberheim. (etwa 10 Minuten Fußweg). Genaue Position: goo.gl/maps/cyYFe

Weiter Informationen finden Sie unter flughafenverfahren.wordpress.com.

Handzettel-Mahnwache-03-10-2015

Grenznah ignatianisch leben

Von Patrick Jutz

Die GCL (Gemeinschaft Christlichen Lebens) Italien hat ein einzigartiges Projekt organisiert.  Seit Juli 2015 leben immer mindestens drei Wochen jeweils sechs Freiwillige im Haus der Jesuiten in Ragusa. Man/Frau lebt und betet mit den Jesuiten und arbeitet tagsüber im Flüchtlingslager dieser sizilianischen Stadt am Mittelmeer.

Organisiert und geleitet wird das Flüchtlingsprojekt in Ragusa von GCLern aus Italien und Spanien, Freiwillige kommen aus vielen Ländern der Welt. In den ersten Monaten wollten viermal mehr Freiwillige das Projekt besuchen als Plätze vorhanden waren. Eingeladen sind alle Menschen mit ignatianischer Lebensweise und sie werden ermutigt, einmal vertrautes Terrain zu verlassen und an die Europagrenze zu gehen. Eine Grenze, die für viele Menschen auf der anderen Seite zum Tod führt und die von uns mit so vielen Mitteln verteidigt wird.

Mich erinnert dieses Projekt an das Leben von Mose. Der war auch Flüchtling, wurde in der Fremde aufgenommen und arbeitete als Viehhirte. Eines Tages geht er über die Steppe hinaus, übertritt also eine Grenze, die ein professioneller Hirte nicht überschreiten sollte, aber genau da begegnet er Gott – im brennenden Dornbusch. Dies wünsche ich mir, meine Professionalität ablegen können und Grenzen zu überschreiten, in der Hoffnung dann IHM begegnen zu dürfen.

Ingrid und ich werden im November auch dort sein. Seit zwei Jahren engagieren wir uns für Flüchtlinge in unserer Stadt Ettlingen. Als wir von diesem Projekt hörten, waren wir sofort begeistert. Die ignatianische Lebensweise zu vertiefen und sich den Flüchtlingsschicksalen zu stellen, fernab der Heimat, wie es uns schon viele vorgelebt haben, darauf freuen wir uns. Da mein Urlaub dafür nicht mehr ausgereicht hätte, habe ich einen Sabbat-Monat genommen.

Das Projekt ist bisher geplant bis Januar 2016, aber ich hoffe doch, dass dieses Mutmach-Projekt verlängert wird. Abhängen wird dies sicher auch davon, wie gut die Finanzierung gesichert ist. Immerhin wurden für die ersten sechs Monate ca. Eur 25.000 veranschlagt. Für eine bessere Betreuung des Projektes wird noch ein Auto auf Spendenbasis gesucht (Es wäre aber wichtig, dass ein neuer TÜV vorhanden ist und es technisch die lange Fahrt bis Sizilien mit hoher Wahrscheinlichkeit übersteht 😉
Wer also ein Auto für das Flüchtlingsprojekt spenden möchte, kann sich melden bei:
Patrick Jutz.

Wir bitten um Euer Gebet für unseren Einsatz und alle Menschen in Ragusa und in der Flüchtlingsarbeit weltweit.