Das Erkämpfte durchführen

Drei Jahre bin ich durch die Instanzen der Gerichte gegangen, um eine Mahnwache vor der Abschiebehaft auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld anmelden zu dürfen. Am 3.Oktober (im Gedenken des Falls der Berliner Mauer) wollen wir auch darum bitten, dass diese Gefängnismauern fallen können.

Die Herausforderung sich den ankommenden Flüchtlingen in ihrer Not zu stellen ist in den Jahren des Prozesses drängender geworden. Nur sehr wenige können über den Luftweg zu uns kommen. Sie werden ohne ausreichende Papiere im Gefängnis empfangen. Dort wollen wir hinsehen am 3. Oktober 15 um 15 Uhr am Ende der bundesweiten Woche der Interkulturellen Woche. Einzelheiten hier auf dem Handzettel

Christian Herwartz

31. Oktober 2016 Radio Vatikan

Der Päpstliche Rat für die Einheit der Christen und der Lutherische Weltbund (LWB) wollen gemeinsam das Reformationsgedenken begehen. Im kommenden Jahr soll am Reformationstag (31. Oktober) im schwedischen Lund, dem LWB-Gründungsort, gemeinsam an Martin Luthers Thesenanschlag von 1517 erinnert werden. Zudem sollen das 50-jährige Jubiläum des lutherisch-römisch-katholischen Dialogs und das 70-jährige Bestehen des Weltbundes begangen werden. Die Veranstaltung wird aus einem gemeinsamen Gottesdienst und einem Symposium bestehen und soll die gemeinsame Freude über das wiederentdeckte Evangelium, das Bedauern über das gegenseitig zugefügte Leid und das gemeinsame Zeugnis in der heutigen Welt ausdrücken. (kna)

Das Reformationsfest 2017

Diese Veranstaltung in der Zionskirche auf dem Weg zum 500. Jahrestag der Reformation ist schon vorbei. Doch der Hinweis auf eine neu verstehende und praktizierte Reformation »Die Reformation radikalisieren – herausgefordert durch Bibel und Krise« bleibt aktuell:

Vortrag, Podium und Diskussion zur Bedeutung der Reformation heute. Am 22. April um 19 Uhr in der Zionskirche. Mit Bischof Markus Dröge (Berlin), Prof. Ulrich Duchrow (Heidelberg), Dr. Magdalene Bussmann (Essen), Jan von Campenhausen (Wittenberg). Moderation: Prof. Axel Noack (Halle).


Veranstaltende: Leserinitiative Publik-Forum e.V., Universität Halle-Wittenberg, Projekt »Die Reformation radikalisieren – herausgefordert durch Bibel und Krise«.
In Kooperation mit der Zionskirche Berlin.

WissenschaftlerInnen aus allen Kontinenten haben in 5 Bänden Studien und 94 Thesen erarbeitet, die gerade veröffentlicht werden (die Thesen sind auf der website www.radicalizing-reformation.com zu lesen). Damit soll angesichts des Reformationsjubiläums 2017 eine öffentliche, kritische Diskussion über die Reformation und ihre Folgen angeregt werden.
Hält Luthers Theologie heutigen Ergebnissen der sozialgeschichtlichen Bibelforschung, besonders dem neuen Verständnis des Apostels Paulus, stand? Was bedeutet seine scharfe Kritik des Frühkapitalismus für die Stellung der Kirchen heute zu einer globalen -»Wirtschaft, die tötet« (Papst Franziskus)? Wie gehen wir mit Luthers Pamphleten gegen Juden, Muslimen und »Täufern« (den späteren Friedenskirchen) um?
Über diese und andere Fragen soll gesprochen werden.

20. Juli 15 Gottesdienst unter dem Galgen in Plötzensee

In der Gedenkstätte Plötzensee findet alljährliche ein ökumenische Gottesdienst im Gedenken an die Opfer des Widerstands statt. Dieses Jahr unter der Leitung von Klaus Mertes SJ und dem evangelischen Superintendenten Carsten Bolz. Während in den Vorjahren ein evangelisches Abendmahl und eine katholische Eucharistie nacheinander gefeiert wurden, soll zukünftig jährlich abwechselnd eine Mahlfeier unter evangelischer bzw. katholischer Leitung gefeiert werden, zu der ausdrücklich die Angehörigen der jeweils anderen Konfession eingeladen sind. In diesem Jahr wurde mit einer evangelischen Abendmahlfeier begonnen. Unter dem Galgen von Plötzensee war es eine sehr bewegende Feier in Erinnerung an die Ökumene der Martyrer.
In diesem Jahr fanden auch Exerzitien auf der Straße mit diesem Thema vom 29.3.15 (Palmsonntag) bis zum 1.4.15 in Berlin statt. Sie sollen im nächsten Jahr wiederholt werden.

Hier die Predigt von Klaus Mertes zu den Schriftlesungen Epheser 4,1-6 und Johannes 17.

20. Juli 2015, Plötzensee

Gedenken ist mehr als historisches Erinnern. Gedenken ist Vergegenwärtigen. Wir treten aus dem bloßen Kalender-Datum des heutigen Tages, 20. Juli 2015, heraus und lassen uns jetzt von Christus Brot und Kelch reichen als sein hingegebenes Leben. Solches Gedenken hat die Kraft, Tod und Hass zu überwinden, unseren Blick aus der Trauer heraus nach vorne zu richten und uns zu Mitwirkenden am Heil der Welt zu machen. Es geht um mehr als um uns. Das glauben wir, wenn wir hier stehen – ich jedenfalls.

Die Feier des Abendmahls ist verbunden mit der Feier des Lebens und auch der Todes Jesu. In der Weise, wie Jesus starb, wurde sein Ja zum Leben sichtbar, sein Ja zur Würde aller Menschen, und auch sein Vertrauen, das aus dem Sterben, auch aus grausamen Sterben am Kreuz einen Akt des Lebens machen kann: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ (Lk 23,46) Weil das so war und ist, ist der Tod Jesu nicht bloß Ende von Leben, sondern Anfang von Leben, nicht bloßes von Weiterleben, sondern von neuem Leben. Deswegen ist diese Feier auch wirklich eine Feier. Wir feiern den Tod Christi – und seine Auferstehung, die es uns ermöglicht, auch heute seinen Tod zu feiern – nicht wegen des Todes, nicht wegen der grausamen Umstände seines Todes, sondern deswegen, weil er genau dadurch neues Leben geschaffen hat. Dasselbe dürfen wir auch vom Tod derjenigen sagen, die hier ermordet wurden.

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Im Epheserbrief heißt es: „Er ist unser Friede. Er vereinigte die beiden Teile, Juden und Nicht-Juden und riss durch sein Sterben die trennende Wand der Feindschaft nieder.“ (Eph 2,14) Wohlgemerkt: Durch sein Sterben. Dieses Niederreißen der trennenden Mauer ist ein Aspekt des neuen Lebens, das aus diesem – nicht aus jedem! – Tod entsteht. So verstehe ich auch die Erfahrung, die die christlichen Märtyrer des Widerstandes in Deutschland machten. Je näher sie dem Tod kamen, umso mehr fielen die trennenden Mauern, umso mehr wurden sie eins. Was immer sie dazu veranlasste, in den Widerstand gegen die Tyrannei zu gehen, was immer sie an Vorgeschichten mitbrachten, wie rein oder wie vermischt ihre Motive waren – im Widerstand entdeckten sie jedenfalls, dass sie mehr vereinte, als sie je für möglich gehalten hatten. Sie fanden zum gemeinsamen Menschsein. Philipp von Boeselager formulierte in seinem letzten Interview: „Ich hoffe, ich habe das klar gemacht. Ich bin als Nicht-Preuße, Anti-Protestant groß geworden und als Anti-Franzose. Meine Preußenfeindlichkeit hat sich durch Tresckow, Kleist, Oertzen, Schulze-Büttner und diese Kerle gelegt. Ich habe dann die richtigen Preußen kennen gelernt. Und besonders die protestantische Kirche, mit denen wir verfeindet waren, schätzen gelernt, und ich behaupte immer, die Ökumene hatte ihren Ursprung im KZ und im Widerstand.“ Ich stelle die Worte des Protestanten Helmut James von Moltke daneben, der wegen seines Kontaktes zu Jesuiten und katholischen Bischöfen zum Tode verurteilt wurde: „Dass ich als Märtyrer für den Heiligen Ignatius von Loyola sterbe – und darauf kommt es letztlich hinaus, denn alles andere war daneben nebensächlich -, ist wahrlich ein Witz, und ich zittere schon vor dem väterlichen Zorn von Papi, der doch so antikatholisch war. Das andere wird er billigen, aber das? Auch Mami wird wohl nicht ganz einverstanden sein.“ Es fielen trennende Mauern.
Ich möchte diese Fallen der Mauern als „Frucht“ des Widerstandes bezeichnen. Sie war nicht das geplante Ziel. Die Geschichte der Märtyrer von Plötzensee, die Geschichte der Weißen Rose und vieler anderer zeigt, dass es vor Gott nicht um das Erreichen von geplanten Resultaten geht, sondern um die Frucht. Intendiert war der Widerstand gegen die Barbarei, Frucht war, dass die trennenden Mauern der Konfessionen fielen; weitgehend fielen; im gemeinsamen Sterben hier an diesem und vergleichbaren Orten definitiv fielen. Deswegen sprechen wir auch innerchristlich von einer „Ökumene der Märtyrer“: „Der Ökumenismus der Heiligen, der Märtyrer, ist vielleicht am überzeugendsten. Die Gemeinschaft der Heiligen spricht mit lauterer Stimme als die Urheber der Spaltung.“ (Johannes Paul II, Tertio Millennio Adveniente)

Hören wir diese Stimme heute? Ökumenische Einheit liegt nicht bloß vor uns, sie liegt bereits hinter uns. Wir fallen hinter sie zurück, je weiter der zeitliche Abstand ist, der uns von ihr entfernt. Deswegen ringen wir an diesem Ort immer wieder um die Form der ökumenischen Einheit. Dieses Ringen allein schon ist ein Ausdruck dafür, dass die Stimme uns immer noch bewegt. Das Ringen hat in den letzten Monaten immer wieder auch wehgetan. Keine Form haben wir bisher gefunden, die die Einheit schon ganz und vollkommen ausdrückt. Die Märtyrer sind uns eben mit ihrem Tod voraus, gerade auch im Vollzug der vollen Einheit. Uns bleibt aber ein Auftrag, der über unsere persönliche Trauer hinausweist auf die gesamte Christenheit: „Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe.“ (Eph 4,5) Die Trennung der Christenheit ist vor dem Hintergrund des Gebetes Christi im Abendmahlsaal (vgl. Joh 17,21) ein tiefer Schmerz und ein empörender Skandal. Sie ist es auch unter diesen Galgen, an denen wie am Kreuz die trennende Mauer zwischen Christen und letztlich zwischen allen Menschen guten Willens niedergerissen wurde.

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Alfred Delp schreibt: „Wenn die Kirchen der Menschheit noch einmal das Bild der zankenden Christenheit zumuten, sind sie abgeschrieben. Wir sollen uns damit abfinden, die Spaltung als geschichtliches Schicksal zu tragen und zugleich als Kreuz. Von den heute Lebenden würde sie keiner noch einmal nachvollziehen.“ Diese Worte wurden im Winter 1944/1945 geschrieben. Ich spüre in diesen Worten eine tiefe Zerrissenheit: „Wir sollen uns damit (= mit der Spaltung) abfinden … Von den heute Lebenden würde sie keiner mehr nachvollziehen.“ Soll ein Weitergehen tatsächlich nicht möglich sein, wenn doch keiner mehr die Trennungen, die vor Jahrhunderten vollzogen würde, nachvollziehen kann? Stimmt das überhaupt für mich, dass ich sie nicht nachvollziehen kann? Oder kann ich sie im Unterschied zu Delp und den anderen Märtyrern des Wuederstandes doch noch nachvollziehen? Bin ich, der ich hier stehe, schon so weit wie mein Mitbruder Alfred Delp, der so spricht? Und wenn es anders ist: Überschreite ich nicht schon die erste Grenze, wenn ich das heute so ausspreche – dass ich nicht mehr verstehen kann, wieso ich mich von der anderen Christen abgrenzen soll? Dass ich anderen christlichen Konfessionen etwas absprechen soll, was sie angeblich nicht haben? Dass ich nicht begreife, warum immer noch gelehrte theologische Streitereien geführt werden, so als wüssten wir nicht längst, dass Rechthaberei, Pochen auf den Buchstaben, Sturheit und anderer Ungeist auf allen Seiten am Werke ist, wenn Christen sich streiten und Konfessionen sich spalten? Dass ich nicht begreife, warum die Einheit in Respekt vor aller Verschiedenheit am Ende an Identitätsängsten und Machtfragen scheitert?
Tradition ist nicht nur ein Schatz – das ist sie ja auch –, sondern auch eine Last. Ich stimme Alfred Delp zu: Es wäre zu leicht, diese Last einfach abzuwerfen. „Wir sollen die Spaltung tragen als geschichtliches Schicksal und zugleich als Kreuz.“ Wenn wir schon über die Grenzen gehen, dann mit dieser Last. Es geht um Einheit in respektvoller Verschiedenheit. Aber die Einheit in respektvoller Verschiedenheit überwindet dann auch die Spaltung. Das Kreuz der Spaltung wird verwandelt, wenn das Kreuz auf Golgota oder eben auch der Galgen von Plötzensee der Ort wird, an dem die Mauern fallen und die Spaltung überwunden wird. Wir dürfen also gerade hier, an diesem Ort, in der Zerrissenheit weitergehen – und jedenfalls nicht stehen bleiben.

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Es gibt Zeugnisse der Ermordeten des Widerstandes, die zeigen, dass sie in der Konfrontation mit den Vertretern der Barbarei etwas entdeckten, was ich die Macht Gottes über die Geschichte nennen möchte. Es ist nicht leicht, das auszudrücken, ohne sich Risiken des Missverständnisses auszusetzen. Ich versuche diese Erkenntnis so zu formulieren: Nicht die Mächtigen machen die Geschichte, und schon gar nicht die Mächte des Bösen, sondern Gott. Das gilt für das Kreuz von Golgota, und das gilt für die Galgen von Plötzensee. Deswegen sind Kreuz und Galgen auch Zeichen der Hoffnung.

Im Johannesevangelium spricht Kajaphas das Todesurteil über Jesus mit den Worten aus: „Es ist besser, das einer für das Volk stirbt, als dass das ganze Volk zugrunde geht.“ Der Evangelist fügt hinzu: „Das sagte er nicht aus sich selbst, sondern weil er Hohepriester jenes Jahres war, sagte er aus prophetischer Eingebung, dass Jesus für das Volk sterben würde.“ (Joh 11,51) Genauso sagt Freisler seinen christlichen Gegnern: „Eines haben wir Nationalsozialisten und das Christentum gemeinsam: Wir fordern den ganzen Menschen.“ Aus dem Mund des Blutrichters kommt ein wahres Wort heraus, dessen tiefe Wahrheit er selbst gar nicht begreift. Und auch hier vollzieht er die Unterscheidung in Katholik, Protestant oder Orthodoxer nicht. Er spricht einfach vom Christentum. Papst Franziskus sagte kürzlich im einem US-amerikanischen Sender folgendes: „Die Trennung der Christen ist eine Wunde im Leib der Kirche Christi. Wir wollen nicht, dass diese Wunde bleibt. Die Trennung ist das Werk des Vaters der Lügen und der Zwietracht, der mit allen Mitteln versucht, die Christen zu entzweien … Er weiß genau, dass die Christen im Glauben an Jesus Christus bereits vereint und Brüder und Schwestern sind. Deshalb überzieht er sie unterschiedslos mit Verfolgung. Ihn kümmert es nicht, ob sie Evangelikale oder Orthodoxe, Lutheraner, Katholiken oder Apostolische Christen sind. Dieses Blut vereint sich.“ (Papst Franziskus, radiovaticana. va/news/2015/05/24)

Man könnte es auch so sagen: Die Feinde der Christenheit interessierte damals wie heute nicht, ob einer Katholik oder Protestant oder etwas anderes derartiges ist. Die Unterschiede sind ihnen gleichgültig. Sie haben mehr vom Christentum begriffen als sie ahnen. Sie sehen das Gemeinsame und bekämpfen es. Ich nehme das als Zusage. Der Spruch des Kajaphas war eine Zusage an den Evangelisten; er erkannte dadurch etwas über den Tod Jesu. Die Worte Freislers waren eine Zusage an Moltke; er begriff etwas über den tiefsten Grund seiner Ermordung. Die Gewalt gegen Christen und überhaupt gegen Menschen guten Willens heute hat uns etwas über uns selbst zu sagen, auf das wir mit geistlicher Unterscheidung eingehen
sollten. Denn es zeigt sich in der Zusage ein Auftrag, der gerade nicht den Intentionen der Kajaphasse und Freisslers entspricht und sie damit entmachtet. Gott ist der Herr der Geschichte, nicht die Tyrannen.

Lasst uns also in dieser Feier zusammen sein und so viel von der Einheit mit Christus und mit den ermordeten Vorfahren im Glauben leben, wie uns jetzt und heute möglich ist – jedem und jeder von uns in der ihm oder ihr jetzt möglichen Weise. Und es möge daraus eine Kraft wachsen, die uns nicht auf diesen Ort fixiert, sondern uns auch formt zu Menschen des Widersprechens und Widerstehens gegen Barbarei, Spaltung, Feigheit und Gewalt.

Der Briefwechsel zum Reformationsfest

Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der EKD, und Reinhard Kardinal Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, haben zum Reformationsjubiläum Briefe gewechselt, die für jeden ökumenisch Interessierten spannend zu lesen sind. Sie zeigen einen großen Willen, das Reformationsfest als Christusfest ökumenisch zu begehen, und zeigen einige gemeinsame Vorhaben auf.

Die beiden Briefe finden sich zum Download hier (PDF).

Exerzitien auf der Straße auf dem Kirchentag in Stuttgart 2015

Am Samstag den 6. Juni 15 haben wir von 11 bis 18 Uhr Exerzitien auf der Straße in Stuttgart angeboten. Ausgangsort Berger Kirche. „Andere Zeiten“ haben dort ihr Progamm präsentiert. Bei schönem Wetter konnten wir draußen mit wohl 40 Menschen beginnen. Viele Rucksäcke blieben liegen – ein deutlicher Hinweis auf eine ernsthafte Teilnahme. Wir waren mit einer Begleiterin und vier Begleitern gekommen.

Schuhe Stuttgaart Kopie

Gegen 15.30 Uhr kamen über 20 Teilnehmerinnen am Zielort an. Wir hatten uns an der Gedenkstätte Nordbahnhof verabredet, in deren Mitte die Gleise lagen, von denen die Züge von Stuttgart in den KZs abfuhren.
http://de.wikipedia.org/wiki/Gedenkst%C3%A4tte_am_Nordbahnhof

Nach einer Ankommphase hörten wir einen Text von der Bürgermeisterin aus Lampedusa abgedruckt in der Zeitung PROTEST (herausgegeben von Die-Anstifter, die auch die Gedenkstätte anregten):

Protest Kirchentag

siehe auch: http://www.die-anstifter.de/wp-content/uploads/2015/06/DEKT-PROTEST-2015.pdf

Als weitere Unterstützung wurde Mt 25, 35f gelesen. Nach einiger Zeit sammelten sich die 5 Gruppen zum Austausch. Danach gingen wir gemeinsam auf das Feld mit den Gleisen, versammelten uns im Halbkreis – mit Blick auf den weiter bestehenden Güterbahnhof – und setzten den Gottesdienst fort. Wir brachen das Brot – auch die erinnerten Erfahrungen, die in den Gruppen ausgetauscht waren – und tranken das bereitstehende Wasser in ökumenischer Eintracht, sprachen das Gebet Jesu und wurden gesegnet.

Videobotschaft des Papstes zur Ökumene war improvisiert

In einem Beitrag auf dem Blog von Radio Vatikan enthüllt Bernd Hagenkord einige Hintergründe der Videobotschaft zur Ökumene, die ich gestern veröffentlich hatte. Anscheinend war die ganze Aktion spontan improvisiert und auf dem iPhone des Gastes aufgenommen.

„Und nun hat ein Papst einen evangelikalen Pfarrer zu Gast, den er aus Argentinien kennt, und der erzählt ihm, dass er zu einer evangelikalen Konferenz in Texas fahre. Der Papst fragt, soll ich dir eine Botschaft mitgeben? Und Bischof Palmer, so hieß der Mann, antwortet „Klar, hier ist mein iPhone, ich zeichne das auf.“ Und dann fährt er – der Vatikan weiß von nichts – in die USA und spielt diesen Kurzfilm bei der Konferenz vor. Bei allen anderen Päpsten wäre das undenkbar, aber mit Franziskus geht das: Ein Evangelikaler wirbt mit dem Papst bei Pfingstkirchen für die Ökumene.“

Auf Youtube findet sich diese Videobotschaft, die anscheinend eine Teilnehmerin der Treffens in Phoenix von der Leinwand abgefilmt hat (Englisch und Spanisch).

Franziskus: Bei der Ökumene nicht auf die Theologen warten

Der damalige EKD-Vorsitzende Nikolaus Schneider 2013 im Gespräch mit Papst Franziskus

 

Die Einheit unter den Christen kann nach Überzeugung von Papst Franziskus nicht durch theologische Debatten entstehen. „Wenn wir glauben, dass die Theologen sich einmal einig werden, werden wir die Einheit nach dem Jüngsten Gericht erreichen“, sagte er in einer Videobotschaft zum „Tag der Christlichen Einheit“ in der US-Diözese Phoenix, deren Text der Vatikan am Sonntag veröffentlichte. „Theologen sind hilfreich, aber am hilfreichsten ist der gute Wille von uns allen, die mit offenen Herzen für den Heiligen Geist auf dem Weg sind“, so Franziskus.

Franziskus trifft mit seinen Worten einen Nerv. Ganz ähnlich hatten wir vor einem halben Jahr in der Ausschreibung zu den Straßenexerzitien zur Ökumene der Märtyrer geschrieben:

„Wir wertschätzen, was ökumenische Gespräche und Dialoge über die vergangenen Jahrzehnte geschaffen haben. Dabei ist viel Kluges gesagt und geschrieben worden. Doch theologische Dispute können auch manchmal mehr trennen als einen“.

Franziskus stellt auch das Zeugnis der (heutigen) Märtyrer ins Zentrum seiner Botschaft von der Einheit:

Der Teufel wisse genau, dass die Christen im Glauben an Jesus Christus bereits vereint und Brüder und Schwestern seien. Deshalb überziehe er sie unterschiedslos mit Verfolgung.
„Ihn kümmert es nicht, ob sie Evangelikale oder Orthodoxe, Lutheraner, Katholiken oder Apostolische Christen sind. Dieses Blut vereint sich. Heute sehen wir die Ökumene des Blutes. Daher müssen wir beten, miteinander sprechen, die Distanzen überwinden und uns immer mehr verbrüdern.“

Quelle: Meldung von Radio Vatikan (deutsch)Originaltext der Ansprache (englisch).

Klaus Hofmeister im Gespräch mit Christian Herwartz

Klaus Hofmeister, geb. 1960, Studium der Katholischen Theologie in München und Tübingen, Redakteur für Kirche und Religion im Hessischen Rundfunk, im Gespräch mit Christian Herwartz. Es geht um die Begegnung mit Gott in Straßenexerzitien, das Leben in seiner WG in der Berlin-Kreuzberg, die Mahnwachen vor dem Abschiebegefängnis.

Pater Herwartz, Exerzitien, das sind Besinnungstage, die Menschen einlegen, um ihre Beziehung zu Gott zu intensivieren, um Zeit für das Gebet zu haben oder einfach mal der Seele mehr Raum zu geben. Dazu geht man normalerweise an einen ruhigen Ort und, wie man sagt, nach innen. Sie gehen bei diesen Exerzitien auf die Straße. Wie muss ich mir das konkret vorstellen?

Wir tun im Grunde dasselbe wie die, die zu Exerzitien in ein Kloster gehen. Denn Exerzitien heißt nur „üben“, Wir üben Aufmerksamkeit. Dafür gibt es Hilfsmittel. Die Stille ist eines davon. Aber die Stille ist nicht das Zentrale. In den Exerzitien gilt es auszusteigen aus einem Alltag, in dem ich gewohnt bin, immer gleich zu urteilen. Es geht darum, aus unserem dauernden Urteilen auszusteigen und in die Wahrnehmung zu kommen. Es ist nämlich gar nicht einfach, in dieses Jetzt zu kommen. Die Chance ist, auch in der Stadt, in die Aufmerksamkeit für das das Jetzt zu kommen. Das sind Exerzitien auf der Straße. „Klaus Hofmeister im Gespräch mit Christian Herwartz“ weiterlesen