VIELFALT #2: Identität und Vielfalt

Aus der Impulsreihe für Begleiter*innen von Straßenexerzitien von Nadine Sylla, Josef Freise, Maria Jans-Wenstrup, Dorothee Steiof und Elisabeth Kämmerling

Wer bist du? Was macht dich aus? Nimm dir einige Minuten Zeit: Welche Eigenschaften, Merkmale kommen dir spontan in den Sinn? Welche Eigenschaften /Merkmale sind dir besonders wichtig –welche eher unwichtig? Wenn du dir jetzt vorstellst: Bei der Arbeit, beim Begleiten der Straßenexerzitien, auf der Straße –welche Facetten von dir stehen für die Menschen, die dir begegnen, im Vordergrund? Welche Aspekte von dir kommen gar nicht in den Blick?Wir können nicht anders –wir nehmen Menschen immer aus einer bestimmten Perspektive wahr –wir „reduzieren“ Menschen auf ein „Set“ von Merkmalen: Der Gastarbeiter, die Muslima, der Obdachlose, da kam eine Frau mit Kopftuch, mein homosexuellerKollege …Und doch haben wir alle die tiefe Sehnsucht, in unserer Ganzheit und Komplexität wahrgenommen zu werden. Wir merken, wie fließend und veränderlich unsere eigene Identität ist. Wir wollen als einzigartige und vielschichtige Personen wahrgenommen werden und nicht nur als Repräsentant*in einer „Gruppe“. Und wir wollen selbst bestimmen, was unsere Identität ausmacht. Kübra Gümüsay veranschaulicht dies in ihrem Buch „Sprache und Sein“ (Berlin, 2020) am Beispiel Kopftuch:„Auf kein Attribut werden muslimische Frauen derart reduziert wie auf dieses Kleidungsstück. Sie werden sogar danach benannt: Kopftuchträgerin. Ein Leben als wandelnde Informationssäule einer Religion und allem, was damit assoziiert wird, lässt sich kaum aushalten. Trotzdem ist es das Leben, das so viele Musliminnen in unserer Gesellschaft führen. (…) Sie werden nicht als Menschen wahrgenommen, sondern als Pressesprecherinnen ihrer Religion. Sie werden mit ihrem Glauben vorgestellt –weil sie so lange der Inspektion ausgesetzt waren, dass ihnen das Bewusstsein ihrer eigenen Individualität, Ambiguität, Komplexität verlorengeht. Dass sie vereinnahmt werden von der Perspektive der anderen.“(S. 72-73)„Die Dichterin Anja Saleh hat mir dazu einmal Folgendes gesagt: Man kann nicht alles verstehen. Ich verstehe auch nicht, warum Leute bergsteigen. Ich muss es auch nicht unbedingt verstehen. Und ich glaube, genau darin liegt die Kunst: Menschen nicht zu drängen, ihnen Dinge so verständlich zu machen, dass sie es auf sich übertragen können. Wenn jemand verstehen möchte, warum ich ein Kopftuch trage, dann denke ich mir: Da ist so viel im Hin-tergrund. Du kannst das nicht einfach verstehen, denn da steht ein Prozess, ein Leben dahinter: Wie willst du das verstehen? Versuchen Sie mal, sich selbst einem anderen Menschen verständlich zu machen. Ihre ganze Person, Ihre Widersprüchlichkeiten, Ihre Entwicklung, Ihre Ängste, Ihre Hoffnungen, Ihre Wünsche. Und stellen Sie sich vor, Sie müssten es immer wieder tun, täglich. Es ist erniedrigend. Erschöpfend. Beraubend.“(S. 73-74).

Wenn ihr Feuergefangen habt, findet ihr hier noch zwei Filmtipps:

Ted Talk von Chimamanda Adichie: The danger of a single story (19 Min) https://www.youtube.com/watch?v=D9Ihs241zeg

All that we share (3 Min)https://www.youtube.com/watch?v=i1AjvFjVXUg&vl=de

Die Straße als Anders-Ort — Gott auf der Straße begegnen? Wie soll das gehen?

Looking for a sign? This is it!

Bericht von Straßenexerzitien in Essen

Einen Eindruck davon erhielten fünf interessierte Frauen am 10.09.2020. Pater Lutz Müller SJ hatte ins Abuna-Frans-Haus nach Essen-Frohnhausen eingeladen. Der Leitgedanke des „Schnuppertags Straßenexerzitien“ war, Gott an einem ungewöhnlichen und ungewohnten Ort zu suchen. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde führte Pater Müller in das Format ein: Bei Straßenexerzitien sind die Teilnehmenden auf der Straße unterwegs. Sie folgen den Bewegungen der eigenen Sehnsucht. Lassen sich ein auf ungewohnte Lebenswelten — oft auf Menschen am Rande der Gesellschaft. So üben sie, sich selbst, den anderen und Gott darin zu begegnen. Die Leitfragen des ersten Schnuppertages entwickelte Pater Müller aus dem Gleichnis des brennenden Dornbusches. Was ist (m)ein heiliger Ort für diesen Tag? Wo und wie verlasse ich meine Komfortzone und gehe dorthin, wo es unangenehm wird?

Nach diesem Einführungsimpuls ging es für die fünf Frauen bei strahlendem Sommerwetter hinaus. Vier Stunden Zeit lagen nun vor den Teilnehmerinnen. Zeit für Begegnungen mit dem Innen und Außen, mit dem eigenen Herzen oder Menschen in verschiedensten Lebenslagen. Einige Teilnehmerinnen verzichteten dabei auf jegliche Hilfsmittel wie Handy, Geld oder die Fahrkarte für den ÖPNV. Für andere war die Fahrt mit der Straßenbahn die erste Begegnung mit Menschen, die ebenfalls unterwegs waren. Wieder andere ließen mit dem Fahrrad die Welt an sich vorbeiziehen.

Um 15 Uhr traf sich die Gruppe wieder im Garten des Abuna-Frans-Hauses. Eine intensive Zeit lag hinter den Teilnehmerinnen, die nun nacheinander von ihren Erlebnissen, Eindrücken und Gefühlen berichteten – und die ihre eigenen Antworten auf die Leitfragen gefunden hatten. Der Austausch über diese Antworten rundete den Tag ab. Sechs Stunden intensiver Erfahrungen lagen hinter den Teilnehmerinnen, die sie als „Urlaub vom Alltag“, „Auszeit“ oder „wertvollen Impuls“ bezeichneten. Alle Frauen dankten dem Gastgeber und der Organisatorin, Barbara Weß, Kollegin aus dem Fachbereich Integration und Migration, von Herzen. Damit verbunden war der innige Wunsch, diese Veranstaltung zu wiederholen. Wir dürfen gespannt sein: Frau Weß und Pater Müller haben bereits mit den Planungen für eine weitere Veranstaltung begonnen.

In Abwesenheit von Kirche…

Ernst-Otto Sloot SCJ

Wenn man die Menschen in Oberhausen über die derzeitigen Veränderungen ihrer Kirche reden hört, dann ist deutlich herauszuhören, dass Menschen und Kirche in den jeweiligen Stadtteilen früher einander näher waren. Stadtteil und Kirchengemeinde waren praktisch eins, egal ob katholische oder evangelische Gemeinde: große Gefühle von Zusammengehörigkeit und Nähe.

Das Ergebnis der jüngsten Entwicklungen ist dagegen eher: Befremden oder Entfremdung. Kirchen im Stadtteil schließen. Die Wege werden weiter. Kirche insgesamt scheint weiter weg zu sein. Viele trauern, haben das Gefühl, von Kirche verlassen worden zu sein. Andere verlassen ihrerseits enttäuscht, entfremdet die Kirche. In Oberhausen haben letztes Jahr 643 Christen ihren Austritt aus der katholischen Kirche erklärt. Die Zahl der Beerdigungen übersteigt die Zahl der Taufen um mehr als das Doppelte. Die Zahl der Kirchenmitglieder nimmt stetig ab. In 50 bis 60 Jahren ist die katholische Kirche in Oberhausen, wenn der Trend anhält, ohne Mitglieder. Christsein findet dann in Abwesenheit von Kirche statt.

So wie die Kirche sich an leere Kirchen und die Abwesenheit von Christen gewöhnt hat, müssen sich dann die Christen an die Abwesenheit von Kirche gewöhnen. Wie werden die Menschen mit der Abwesenheit der Kirche leben?

Sie können sie, wie eine Freundin, in guter Erinnerung behalten und sich versöhnen mit dem Gedanken, dass man sie ihren Weg gehen lassen muss. Sie wird ihren eigenen Weg mit Gott gehen, mit allen ihren Reichtümern, mit ihrem Festhalten an alten Regeln wie Pflicht-Zölibat und Weihe-Verboten. Vielleicht werden sich die Wege in Zukunft wieder treffen und man geht noch ein Stück gemeinsam dem Reich Gottes entgegen. Das Leben geht schließlich weiter. Es ist Gottes großes Geschenk, das bleibt. Und: Gottes Sammlungsbewegung geht weiter. Kirche ist ein Teil davon. Aber wohl nicht das Ganze. Gottes Geist führt die Menschen auf verschiedenen Wegen an sein Ziel. Der Weg der Kirche ist nur einer davon.

Die Möglichkeiten Gottes und seines Heiligen Geistes sind viele. In Abwesenheit von Kirche bleibt er den Menschen weiterhin nah. Man darf freudig gespannt sein, auf das, was er vorhat: Wen wird er in der säkularen Wüste wie Abraham und Sara mit ihren Kindern zu Keimzellen einer Glaubensfamilie machen? Welche Theologinnen und Theologen wird diese Exils-Zeit hervorbringen? Welche Propheten und Prophetinnen mahnen uns zu Umkehr von falschen Wegen und zu Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung? Wer wagt den Weg in die Nachfolge Jesu?

Die Abwesenheit von Kirche ist jedenfalls kein Hinweis auf die Abwesenheit Gottes! 

Erfahrungen von Strassenexerzitien unter Corona-Bedingungen

"Coronakrise in Berlin" by tim.lueddemann is licensed under CC BY-NC-SA 2.0

Lutz Müller SJ

Einzelexerzitien in Köln

Als ein gelungenes Experiment habe ich es empfunden, als ich Ende Mai 2020 Strassenexerzitien in Köln machte. Unter Corona-Bedingungen ist es ja herausfordernd, auf der Straße unterwegs zu sein. Abstand, Hygienemaßnahmen und Alltagsmaske stellen mich auf die Probe, wie ernst und konsequent ich dies auf der Straße befolge. Folgendes war für mich gut lebbar:

  • Ich suchte mir ein gastfreundliches Kloster, das mich als Einzelgast aufnahm. Das waren die Karmelitinnen, bei denen ich auch täglich die hl. Messe mitfeierte.
  • Da ich allein ohne Gruppe unterwegs war, suchte ich mir einen Begleiter, der sich täglich eine halbe Stunde Zeit nahm.
  • Die Stadt Köln bietet Wohnungslosen, Obdachlosen und anderen Armen eine gute Infrastruktur der Hilfe. Mir scheint, dort ist ein guter Ort, um Strassenexerzitien zu machen.

So hatte ich einen Rahmen vorgefunden und geschaffen, unter dem ich dies ausprobieren wollte. Als mein Hauptplatz stellte sich die Treppe vor dem Hauptbahnhof heraus, direkt unterhalb des Domes. Das ist ein Platz voller Menschen mit vielen Bewegungen. Dort passieren nicht nur Reisende aus aller Welt, sondern viele Kölner machen dort Pause; die Straßenreinigung hält den Platz im 30 Minuten Takt sauber, weil es ein Vorzeigeobjekt ist; mehrere Gruppen von Obdachlosen treffen sich, über den Tag verteilt. Verschiedene Künstler versuchen dort ihr Glück, Menschen anzuziehen. Es herrscht aber ein solches Gewusel auf dem Platz, dass fast alle nach kurzer Zeit entnervt weiterziehen zum Domplatz hinauf.

Ich lernte auch den Neumarkt kennen, ein Treffpunkt von Dealern und Drogenkonsumenten. Ein sehr verschmutzter, großer, unappetitlicher Platz, wo ich mich nur unwohl fühlte. Am Appellhofplatz war es einsam, dort trafen sich meist nur einige Männer, die ich vom HBF her kannte. Eine Kontaktaufnahme gelang mir nicht.

Zur Verpflegung: Der Sozialdienst katholischer Männer verteilte wochentags eine Frühstückstüte. Oft war die Schlange der Anstehenden länger und größer als die Zahl der Tüten. Dort fiel mir die Kontaktaufnahme leicht. Mit einem der Männer kam ich intensiver ins Gespräch. Als er anfing, mich über meinen Herkunftsort Essen auszufragen, welche Anlauforte es dort gäbe, merkte ich, wie wenig ich über meine Stadt wusste….

Die Pfarrei St. Maria in der Kupfergasse verschenkte täglich ab 14 Uhr belegte Brote in großer Menge. Dort waren auch immer Leute unterwegs. So kam ich in puncto Ernährung gut über die Runden.

Zur Begleitung: Unter der einfühlsamen Begleitung von Markus Röntgen wurden mir zusätzliche Aspekte meines Weges bewusst. Täglich traf ich ihn für 30 Minuten in einer Kirche in Bahnhofsnähe zum Gespräch. Es war schön, einen kompetenten Kollegen zu erleben, der aus eigener Erfahrung informiert Fragen stellte, Anteil nahm an den Fragmenten meiner Tage, mir zuhörte und mich so begleitete. Sehr interessant waren seine selbst verfassten Haikus (japanische Kurzgedichte) von Begegnungen mit dem Selbst und dem Fremden.

Mit Maske war es mühsamer als ohne, aber es ging. Auf der Treppe am Bahnhof konnte ich gut auf Abstand achten. Da ich eine knappe Woche mich täglich dort aufhielt, konnte ich wiederholt mit einigen Obdachlosen gut in Kontakt kommen. So merkte ich, wie sehr sie sich umeinander kümmerten, sie Blickkontakt mit den Polizeistreifen hielten, sie sich auf Fremde wie mich einließen, die nicht auf ihre Bettelaktionen reagierten. Schwierig fand ich die Gruppe rumänischer (?) Bettler, die systematisch die Region um Dom und HBF abliefen. Als ich versuchte, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, konnten sie kein deutsch.

Ein Novum war für mich meine Intuition, mich unter die Flaschensammler zu mischen. Das war eine vielschichtige Erfahrung. Ich spürte an mir Ekel, in dunkle Mülleimer zu fassen wegen des Drecks; Frust, wenn jemand anders vor mir gerade alles abgegrast hatte und ich also leer ausging; Ambivalenz, wenn ich anderen Sammlern begegnete; Scham, wenn mich andere Passanten dabei beobachteten; eine Mischung von Erfolgsfreude und Peinlichkeit, wenn ich die Flaschen in einem Discounter einlöste… Ich merkte, wie diese Sammler allein unterwegs waren. Das Flaschensammeln ist eine Aktivität, die den Tag füllen kann.

Ob ich dabei irgendwann Gott begegnet bin, weiß ich nicht. In jedem Fall bin ich Brüdern und Schwestern von der Straße begegnet. Manchmal entstand eine Nähe, meistens blieb Fremdheit. Vielleicht war das der verborgene Gott…

Kurs in Essen

Nach meiner Woche in Köln folgte bald darauf mein Kurs in Essen, den ich ausgeschrieben hatte als Veranstalter und Begleiter. Drei Teilnehmende rangen sich trotz Corona durch (allerdings ohne Lockdown Bedingungen) und kamen ins Abuna-Frans-Haus. Eine Woche verbrachten sie in der Ruhrmetropole, die sich gut eignet für Straßenexerzitien. Drei Personen konnte ich gut in Einzelzimmern in unserem Haus, das eine WG mit Flüchtlingen beherbergt, unterbringen. Wie üblich, gab es morgens einen Morgenimpuls mit Frühstück, tagsüber waren alle unterwegs auf der Straße, abends kochte meist eine/einer aus der Gruppe ein Abendessen vor der Austauschrunde. Diese nenne ich lieber „Lesezeit“, weil es darum geht, die Erfahrungen des Tages miteinander aufzunehmen, stehen zu lassen und zu lesen. Mir scheint, das Wort „Lesezeit“ bringt dies deutlicher zum Ausdruck als der Begriff „Austauschrunde“.

Unsere Eucharistiefeiern fanden fast jeden Tag an einem anderen Ort statt. Meist konnten wir Elemente aus der Lesezeit des Vortags integrieren. So feierten wir im Park, an einem Brunnen, im Gewerbegebiet, vor einer verschlossenen Kirche, im Garten und in der Kirche.

Die Teilnehmenden machten naturgemäß ganz verschiedene Erfahrungen, je nachdem wie sie unterwegs waren: allein, mit Fremden, barfuß, kommunikativ oder schweigsam, mit persönlicher Agenda, suchend, mit oder ohne Geld, mit oder ohne Handy, mit oder ohne Blasen an den Füßen, sich öffnend oder sich verschließend, …

Es ergaben sich verschiedene Räume innerhalb der Straßenexerzitien: ein Bibliolog, ein Grillabend, eine Fußwaschung, Begegnungen mit den Flüchtlingen des Hauses, gemeinsames Kochen,…

Am letzten Tag, ein Sonntag, hielt ich in der Gemeindemesse eine Predigt zu den Straßenexerzitien. Ich freute mich sehr, als alle drei Teilnehmenden sich entschlossen, ein Zeugnis einzubringen und etwas von ihren Erfahrungen auf der Straße mit der Gemeinde zu teilen. So stand Corona nicht täglich im Mittelpunkt, prägte dennoch den Umgangsstil miteinander, verhinderte aber nicht die Exerzitien.

Vielfalt #1: Was ist Anti-Bias?

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Ein Impuls für Begleiter*innen von Straßenexerzitien von Nadine Sylla, Josef Freise, Maria Jans-Wenstrup, Dorothee Steiof und Elisabeth Kämmerling

„Anti-Bias ist wie eine lebenslange Reise, die bei uns selbst beginnt“
(Louise Derman-Sparks)

Menschen sind vielfältig. Sie unterscheiden sich in ihrer kulturellen und religiösen Zugehörigkeit, in Geschlecht, Lebensform, sexueller Identität, Alter, Weltanschauung, körperlichen Merkmalen, sozialem Status, Bildung und vielem mehr. Jeder Mensch ist so wie er ist einzigartig.

Wir begegnen dieser Vielfalt in unserem persönlichen Umfeld, bei der Arbeit, in der Begleitung von Straßenexerzitien und letztlich bei uns selbst. Vielfalt ist immer schon da. Oft denken wir nicht darüber nach. Vieles erscheint uns selbstverständlich. Untersuchungen zeigen jedoch, dass schon Kinder ab dem 3. Lebensjahr lernen, dass bestimmte Merkmale (wie Religion, Geschlecht, Hautfarbe …) in der Gesellschaft unterschiedlich bewertet und dadurch auch unterschiedlich mit Macht und Privilegien ausgestattet werden. Hier setzt der Anti-Bias Ansatz an.

Bias“ kommt aus dem Englischen und bedeutet Schieflage, Einseitigkeit oder Voreingenommenheit. Es geht bei Anti-Bias um diese „Schieflagen“ und „Voreingenommenheiten“ (und „Vor-urteile“) in unserer Wahrnehmung und in unserem Handeln. Wir schauen mit einer bestimmten „Brille“ auf Menschen: So erscheinen uns manche Merkmale als „normal“ – andere als „unnormal“ oder „besonders“; manche Menschen gehören selbstverständlich dazu (zum „Wir“), andere bleiben immer die „Fremden“ („Ihr“) … Was meinen wir z.B., wenn wir in der Apotheke ein hautfarbenes Pflaster verlangen?

Wir bewegen uns immer – ob wir wollen oder nicht – in diesen „Schieflagen“ und Einteilungen. Wir sind in diese „verstrickt“. Je nachdem, wo wir uns auf der Wippe befinden, hat dies Auswirkungen, wie wir uns zeigen und in Gruppen verhalten. Anti-Bias möchte für diese „Schieflagen“ und Verstrickungen sensibilisieren.

Der Ansatz geht davon aus, dass wir alle Vorurteile haben. Es geht also nicht darum, „vorurteilsfrei“ zu werden. Mit diesem Anspruch überfordern wir uns. Das entlastet. Aber wir können uns für unsere Vorurteile sensibilisieren, uns diese bewusst machen. Mit dieser neu gewonnenen „Vorurteilsbewusstheit“ können wir nicht nur unser persönliches Verhalten verändern, sondern auch auf den Abbau von ungerechten und diskriminierenden Strukturen in der Gesellschaft hinwirken.

Wir laden dich ein, dich mit anderen auszutauschen:

  • Welche Merkmale machen dich aus? Wie würdest du diese Merkmale auf der Wippe positionieren?
  • Wenn du jetzt an die Menschen denkst, die du in den Straßenexerzitien begleitest: Die Teilnehmenden oder die Menschen, denen die Teilnehmenden „auf der Straße“ begegnen? Wo erscheinen sie auf der Wippe?

Anti-Bias

  • richtet sich an alle Menschen und geht alle an!
  • reflektiert die unterschiedliche Bewertung von (Heterogenitäts-)Merkmalen in der Gesellschaft.
  • geht davon aus, dass wir alle Vorurteile haben, aber das ein bewusster Umgang mit Vorurteilen möglich ist.
  • arbeitet an einer veränderten Haltung und zielt von da aus auf eine Veränderung gesellschaftlicher Strukturen.
  • ist eine lebenslange Reise, die dein Leben und unser Miteinander bereichert.

Straßenexerzitien als Praxis von „Freestyle Religion“

Uwe Habenicht, geboren 1969, verheiratet, drei Kinder; evangelischer Theologe; er arbeitete als Pfarrer in Deutschland und Italien. Seit 2017 ist er Pfarrer in St. Gallen mit Schwerpunkt Jugendarbeit. Bei seiner Erkundung der spirituellen Aufbrüche der Gegenwart unter dem Titel „Freestyle Relition“ fragt er nach Merkmalen einer tragfähigen christlichen Spiritualität. Ausgangspunkt ist für ihn die religiöse Autonomie des Einzelnen. Anschaulich beschreibt er, dass sich dabei die eigenen, auch mystischen Erfahrungen nicht gegen gemeinsames Beten und politisches Engagement ausspielen lassen. Und wie in solchen neuen Formen des Religiösen, auch in neuen Formen des Umgangs mit traditioneller Religion, individuelle Freiheit und Gemeinsinn miteinander zu dem verbunden werden, was „Freestyle Religion“ als Religion für das 21. Jahrhundert ausmacht. Im „Praxisteil“ am Ende des Buches schreibt er über die Straßenexerzitien.

Straßenexerzitien und Alltagsexerzitien – vom Abschreiten aller drei Kreise                     

Etliche Aspekte der bisher beschriebenen Kreise fließen in der Form der Straßenexerzitien zusammen, die ich abschließend noch kurz skizzieren möchte: In den Straßenexerzitien zieht man sich nicht aus der Hektik und dem Getriebe der Städte aufs Land zurück, um Einkehr zu hallten. Vielmehr sucht diese Form der Exerzitien die Gegenwart des Auferstandenen im Alltag der Straße. Die Wahrnehmung der Wunden der Zeit, der Ausgestossenen und Leidenden bekommen dabei ein besonderes Gewicht, Spiritualität mit dem Gesicht zur Welt: Aufmerksam, offen und absichtslos gehen die Übenden eigensinnig und allein auf die Straßen und Plätze und suchen nach einem Echo des biblischen Wortes, mit dem sie am Morgen aufgebrochen sind. „Sich auf die Exerzitien zu begeben bedeutet zu ‚üben‘. Wir üben aufmerksamer zu werden, unsere innere Aufmerksamkeit zu bemerken und ihr zu folgen. Um auf die innere Stimmen besser zu hören, werden solche Übungszeiten normaler Weise in einem Kloster oder in einem Haus angeboten, das dafür besonders geeignet erscheint, mit landschaftlich schöner Umgebung oder einem Meditationssaal. Bei den Exerzitien auf der Straße gehen wir raus in die Stadt. Üblicherweise zehn Tage lang, jeden morgen und jeden Nachmittag. Abends kommen wir wieder zusammen, feitern Gottesdienst und erzählen uns in kleinen Gruppen, was uns begegnet ist.“[1]

Hier verschränken sich Wahrnehmung des Leidens Meditation und gemeinschaftlich liturgische Feier. „Wir üben, das Leben in Fülle zu suchen, den Lebendigen und die Lebendige, die tausend Namen hat, die wir Gott nennen. Wir üben ihr unser Herz zu öffnen. Warum ‚üben‘? Wir üben vielleicht weniger im Sinne von trainieren, sondern von: immer wieder neu anfangen. Ich übe ins Jetzt zu kommen. Ich werde langsamer und spüre Neues. Nach und nach entdecke ich eine Stille in mir und kann mein Inneres spüren. Im Lassen vom Tun und Arbeiten, vom Denken und Handeln finde ich zu einem Dialog in mir und bin im Gebet. Ich übe, mehr ins Hören zu kommen. Wer will mir heute begegnen? Wo oder in wem will sich Gott, die Quelle des Lebens, mir heute zeigen?

Unverschämte Übungen – immer wieder unverschämt Neues. Da, wo ich es vielleicht am wenigsten erwarte! Gott, die liebende Gegenwart, suchen im Jetzt, in allen Dingen, wie Ignatius, der Begründer des Jesuitenordens, sagt. Auch in jedem Menschen kann ich dieses Schönem das Gott ist, finden. Unverschämt – vielleicht gerade in jenen Menschen, die ich sonst eher beiseiteschiebe, die am Rande leben, die am Brennpunkt des Lebens stehen.“[2]

Dieses hörende Schweigen ist die Voraussetzung für jede Form von kooperativem Engagement zugunsten derer, denen man begegnet ist – auch wenn die Straßenexerzitien diesen letzten praktischen Schritt nicht leisten können, der für das Ganze der Freestyle Religion konstitutiv ist.

Straßenexerzitien lassen sich als Grundübung von Freestyle Religion verstehen, die sich eben nicht im stillen Kämmerlein versteckt, sondern die Straße als Ort gelebter Religion wiederentdeckt – so wie sich Parcours oder Free Running den herausfordernden Gegebenheiten der Straße stellen oder die zeitgenössische Kunst auf die Straße geht, um im alltäglichen Leben Spuren zu hinterlassen.[3]

„Wenn ich auf die Straße gehe, lasse ich die Kontrolle weg, mit der ich bestimme, wer mir begegnen kann und wer nicht. Ich gehe in die Offenheit der Begegnung und lasse mich in dieser Offenheit frei, soweit ich es vermag, begegne Überraschendem und schaue, ob dieses ‚Ungeborgene‘ mein Herz entzündet und mich in unvorstellbarer Weise beherbergen, mir Geborgenheit und Gottes Anwesenheit zeigen will. Ich stimme dem offenen Ausgang des Tages zu, gehe aus dem Gewohnten hinaus, sage ja dazu, dem Fremden, dem Unbekannten entgegen zu gehen, will erproben, was geschieht, und schauen, was sich ereignet.“[4]

Wenn Religion ihre schützenden Räume, in denen sie das Göttliche feiert und die Augen vor der Zerrissenheit der Welt nicht verschlossen hat, verlässt und ihre vertiefte Verankerung im Göttlichen hinaus auf die Straße trägt, um die Welt mit anderen kooperativ zu gestalten, und wenn die diesem Weg immer wieder und wieder eigensinnig gehtm wird aus Religion Freestyle Religion. Dann ist Religion mehr als frommes Selbstgespräch meiner Seele mit mir selbst. Dann ereignet sich wunderbares Wirken weit über mich hinaus.    


[1]    Herwartz, Im Alltag der Straße, 27

[2]    Ebd.

[3]    Aus dem Galler Tageblatt vom 4.8.2019

[4]    Herwartz, Im Alltag der Straße, 29

Leseprobe aus: Uwe Habenicht, Freestyle Religion. Eigensinnig, kooperativ und weltzugewandt – eine Spiritualität für das 21. Jahrhundert © Echter Verlag Würzburg 2020, S. 135-138

Kann ein Lächeln verloren gehen?

Lächeln

von Christoph Albrecht SJ

Ein Mann, der einsam ist, ein Pfarrer, der ihn nicht anschaut, ein Lächeln, das verloren geht. Auch mir hätte schon mal ein bewusster, wohlwollender Blick genügt, um die tiefe Sehnsucht nach Leben zu stillen. Umso wertvoller meine Erfahrungen mit Exerzitien auf der Straße.

«Nach dem Gottesdienst stand der Pfarrer am Ausgang der Kirche und grüßte alle, auch wenn er wegen der Corona-Krise niemandem die Hand geben konnte. Leider hat er mich nicht angeschaut.» Das sagte mir kürzlich ein Mann, der öfters unter Einsamkeit leidet.

Auch ich erinnere mich an Situationen, wo ich gerne Beachtung gefunden hätte, ein bewusster, wohlwollender Blick hätte genügt. Doch der kam nicht. Ein schleichendes, dumpfes Gefühl, für andere nicht zu existieren, überkam mich damals. Ist es dem Menschen auf dem Kirchplatz auch so ergangen? Was hätte ein bewusster Blickkontakt bei ihm wohl verändert? Was hätte die Begegnung beim betreffenden Pfarrer ausgelöst? Ich kenne ihn. Er ist nicht einer, der über die Köpfe der Menschen hinwegblickt. Es mag ein dummer Zufall gewesen sein. Wenn er einen Fehler gemacht hat, dann lag dieser wohl in der Meinung, viele Menschen im gleichen Moment persönlich begrüßen zu können. Das ist eine vorprogrammierte Überforderung.

Ich wollte nun meinerseits das eben Ausgesprochene nicht überhören und fragte nach: «Hättest du gerne mit ihm gesprochen?» Er: «Nein, ich hätte ihn in diesem Moment nicht aufhalten wollen, aber ich hätte ihm gerne mein Lächeln geschenkt. – Weißt du», sagte er weiter, «wir übersehen so viele Dinge im Leben, die uns glücklich machen wollen. Hätte er mich nicht übersehen, wären wir beide beschenkt weitergegangen. Auch ich übersehe immer wieder Dinge und nur manchmal bemerke ich im Nachhinein überhaupt, dass ich was übersehen habe. Unsere Aufmerksamkeit ist so begrenzt, dass ich mich manchmal frage, ob wir nicht halbblind durchs Leben gehen. Würden wir all das wahrnehmen, was uns an Eindrücken geschenkt wird, wären wir vielleicht auch dankbarer für die Fülle eines Tages. Oder würden wir das Leben kaum aushalten, weil wir wohl auch mehr negative Eindrücke zu verarbeiten hätten?»

Unser Gespräch entwickelte sich weiter. Worauf sind wir aufmerksam? Und worauf nicht? Was steuert unseren Blick auf die Welt? Erkennen wir nur, was wir bewusst beachten, oder sind wir fähig, uns von etwas völlig Neuem überraschen zu lassen, sozusagen aus dem Nichts  Aufmerksamkeit für etwas zu entwickeln, das wir vorher nie beachteten? Ich musste an wichtige Erfahrungen während den Exerzitien auf der Straße denken. Das sind geistliche Übungen, wo wir nicht in einem Bildungszentrum oder in einem Kloster meditieren, sondern irgendwo in der Stadt. Die Gruppe der Übenden trifft sich zwar jeden Abend mit den Begleiter*innen am Ort einer einfachen Unterkunft, doch tagsüber lässt sich jede und jeder so, wie es gerade möglich ist, auf das ein, was ihr oder ihm unterwegs begegnet. Offen für Menschen und für Begebenheiten, die ich sonst schnell mal übersehe, komme ich dabei immer auch mit meiner eigenen tiefen Sehnsucht nach Leben in Kontakt. Seltsam und fast paradox, dass meine sowieso immer beschränkte Aufmerksamkeit auf wesentliche Dimensionen meines Lebend gelenkt wird, ohne dass ich das planen könnte.

Ich bin froh um die Erfahrungen der Straßenexerzitien. Sie ermutigen mich, auch im Alltag nicht ängstlich und angestrengt nach den Lücken meiner Aufmerksamkeit zu suchen, sondern mich bewusst immer wieder in eine Stimmung zu versetzen, in der ich ansprechbar bleibe für andere Menschen, interessiert, neue, mir unbekannte Phänomene wahrzunehmen, und größere oder feinere Zusammenhänge zu erkennen.

Vielleicht haben Sie in diesem Sommer Gelegenheit und Zeit, unverplant und unverzweckt an Orten zu verweilen, wo man nicht nur mit bestimmten Privilegien hinkommt.

Vielleicht mögen Sie die Geschichte von Mose (in der Bibel Exodus 2 und 3) lesen. Eines Tages geht Mose als Schafhirt über das Gewohnte hinaus in die Wüste. Er entdeckt einen brennenden Dornbusch, der nicht verbrennt. Er hat also hingeschaut und bemerkt, dass hier etwas ungewöhnliches vor sich geht. Als er näher kommen möchte, hört er eine Stimme, er soll seine Schuhe ausziehen, er stehe auf heiligem Boden. Und dann spricht die Stimme seinen eigenen tiefen Schmerz an: «Ich habe die Not meines Volkes gesehen, ich habe ihre Schreie gehört.» Mose wird aufmerksam auf eine Wirklichkeit, die weit über seine eigenen Sorgen hinausgeht und ihn doch auch persönlich betrifft. Er kann es nicht fassen und schöpft doch einen unglaublichen Mut für neue Schritte in eine Richtung, die er sich nie von selbst zugetraut hätte.

Oder vielleicht inspiriert Sie diese Kurzgeschichte. Vielleicht eben nicht nur an Weihnachten…

Ins Herz Gottes gelangen

Weihnachten

schien mir eine gute Gelegenheit,

das Kloster jenseits der Zeit aufzusuchen.

Am Fuss des Aufstiegs jedoch sass ein blinder Bettler,

und als ich näher kam,

um ihm ein wenig Geld zu geben,

hörte ich ihn wimmern:

«Wer nimmt mich mit ins Herz Gottes?»

Unmöglich konnte ich weitergehen.

Wer würde ihn ins Herz Gottes mitnehmen?

Ich setzte mich ihm gegenüber.

Ich nahm seine Hände.

«Gemeinsam», sagte ich,

«gemeinsam werden wir ins Herz Gottes gelangen».

Aus: Theophan, Das Kloster jenseits der Zeit

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dem Blog der Schweizer Jesuiten.

Brief nach Ostern

In diesem Jahr entdeckten alle Christen in Deutschland das Osterfest neu und feierten es auf unterschiedliche Weise. Jetzt ist die Zeit, mit dieser uns befreienden Botschaft von der Auferstehung Jesu zu leben.

In den Exerzitien auf der Straße lernte ich, mich durch sonst nicht beachtete Zeichen dorthin führen zu lassen, wo der Auferstandene heute auf mich wartet. Er zeigt mir – ähnlich wie Gott Mose in der Wüste aus einem brennenden aber nicht verbrennenden „Dornbusch“ (Ex 3,4) ansprach -, wo er auf mich wartet und ich seine brennende Liebe wahrnehmen darf. Mose sollte dort seine Schuhe ausziehen, um die Realität zu spüren, in der Gott ihm seinen Lebensauftrag übergab, nämlich sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten zu befreien. Gott sucht immer wieder unsere Befreiung von Gewalt und anderen Beeinträchtigungen, in denen unser Leben verkümmert. Diese Befreiungsbotschaft ist sein Erkennungszeichen.

Also lasse ich mich führen! Da ich heute 77 Jahre alt werde, suche ich nach dieser Zahl in der Bibel. Jesu antwortet Petrus, der wissen wollte, wie oft er seinem Peiniger vergeben soll. Petrus vermutet, sieben Mal reiche aus (Mt 18,21). Jesus nennt daraufhin die herausfordernd hohe Zahl 77. Ein „Immer“ ist wohl nur Gott möglich. Gott ist die unbegrenzte Barmherzigkeit.

Jetzt stehe ich selbst vor einem brennenden, doch nicht verbrennenden Dornbusch und ich entdecke, wie mich das Osterfest im Alltag ausrichtet: Die unbegrenzte Barmherzigkeit Gottes, die unsere Schuld auslöscht, wenn wir denen verzeihen, die uns gegenüber schuldig geworden sind (Mt 6,14f). So beten wir doch regelmäßig mit Jesus. Dann nehmen wir mit der Hoffnung, unser Leben wirklich zu korrigieren, an der Lebensfreude Gottes teil. Nun ist unsere Bereitschaft zu verzeihen, keine Höflichkeitsformel mehr, mit der wir unser Umfeld nerven, sondern auch eine Antwort auf die Frage von Petrus.

Jetzt ist die Zeit da, Gott für seinen Dienst an uns zu danken, wozu wir in jedem Gottesdienst eingeladen sind. In der aktuellen Ausgabe von „Geist & Leben. Zeitschrift für christliche Spiritualität“ habe ich eine Anleitung für eine Gottesdienstfeier anhand der Emmaus-Erzählung geschrieben (Lk 24,13-36). Dabei lässt sich das Entstehen von Kirche erahnen und diese Gemeinschaft wohl auch unter uns wahrnehmen. Feiern Sie doch einmal diesen Oster-Gottesdienst zu Hause mit Ihren Liebsten zusammen mit dieser Ikone. Erleben Sie die Nähe Gottes, wenn zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind. Viel Freude dabei!

Mit der Osterfreude grüßt Sie,

Ihr Christian Herwartz SJ (Berlin)

Der Charme des Anfangs: Die Erfahrungen in Emmaus langsam gelesen

Weißt Du noch?

Paare, Gemeinschaften, Länder erinnern sich an den Augenblick, an dem sie ihre Beziehung voreinander offenlegten und gemeinsam den Sprung in die Öffentlichkeit wagten. Dann lachen sie bei der Erinnerung[1] an ihre Angst und ihren Übermut vor diesem befreienden Schritt oder geben sich vielleicht einem Kuss. Bedrückendes wurde zurückgelassen, Neues konnte beginnen. 

„Wie hat es eigentlich angefangen?“ Mit dieser Frage erzählt die neue Landesbischöfin der Nordkirche Kristina Kühnbaum-Schmidt in ihrer Predigt im Schweriner Dom den Charme eines solchen Anfangs.[2]

Mit Freude und vielen Unsicherheiten treten Menschen besonders nach Kriegen oder kirchlichen Abgrenzungen aus falschen Abhängigkeiten hinaus. Sie beschreibt den Charme des Neubeginns bei Paaren, von Institutionen und auch beim Neubeginn Deutschlands nach der Zeit der Diktatur. Nach diesem Neustart lesen wir im Grundgesetz, dass jeder Mensch ohne Vorbehalt zu achten ist.

Die Nordkirche vereinigte 2012 die vormals selbständigen Landeskirchen von Hamburg und Schleswig-Holstein, Mecklenburg und Pommern. Sie wurden eine Kirche von Dänemark bis nach Polen entlang der Ostseeküste über alle Grenzen hinweg. In mutiger Solidarität wurden in den evangelischen Kirchen Trennungen in Ost und West aufgehoben.

Der Charme des Anfangs aller christlichen Gemeinschaften

Davon berichtet Lukas im letzten Kapitel seines Evangeliums. Viel ist über diesen Abschnitt gepredigt und geschrieben worden. Er ist wie ein Grund-stein aller christlichen Kirchen. Der hier beschriebene Impuls setzt sich in der Apostelgeschichte fort. Die Freude über diesen überraschenden Anfang erfrischt immer neu und weist auf den Moment der Nächstenliebe hin, der in solch einem Rollenwechsel erfahren wird.

Nach der Zeitenwende

Die Frauen kommen vom Grab Jesu. Sie gingen bei der ersten Gelegenheit nach der Kreuzigung Jesu mit wohlriechenden Ölen und Salben zu dem Felsengrab, wohin sein Leichnam gelegt wurde. (Lk 23,50 – 24,1) Der die Höhle verschließende Stein war überraschend weggerollt. So konnten die Frauen das Grab betreten. Zwei Engel warteten dort (Lk 24,4) und verkündigten den Erschrockenen: Jesus ist auferstanden. Außerdem erinnerten sie die Frauen an all die Hinweise, die Jesus ihnen in der Zeit unterwegs gab (Lk 24,5ff).[3] Petrus überprüft (Lk 24,11f) diese Nachricht zusammen mit Johannes. Sie gingen zum Grab und fanden alles so vor, wie es die Frauen erzählten. Doch den Auferstandenen selbst sahen sie nicht (Lk 24,32).  Verwundert kehrten sie zurück.[4]

Jetzt breitete sich Entsetzen und Angst unter den Jüngern aus. Wird diese unglaubliche Nachricht von seiner Auferstehung publik, dann sind alle in Lebensgefahr. Die Entdeckung des leeren Grabes (Lk 24.9) konnte nicht geheim bleiben. Die Ratlosigkeit der Jünger ist zu spüren.

Zur Erinnerung

Bei seiner Taufe im Jordan (Lk 3,21f) bekannte sich Jesus zu den Traditionen seines Volkes und besonders jene von der einen Wirklichkeit Gottes, die er seinen Vater nannte (Lk 12,29). Jesus wusste sich ganz von ihm getragen und lehrte: „Der Vater weiß, was ihr braucht.“ (Lk 12,29). Im Vertrauen auf ihn und unter Berufung auf diese höchste Autorität legte er den Glauben Israels erneuernd aus.

Dieses Verhalten nannten die Lehrer Israels eine Gotteslästerung, denn er konnte keinen zweiten Zeugen benennen, der seine Darlegungen bestätigte. Jesus entmachtete damit die alten Seilschaften, die mit seiner Ermordung ihre Lehrhoheit wiedergewannen und den Status quo mit den Römern festigen wollten. Doch Jesus rief Gott in der Todesstunde voll Vertrauen an: Seine unerschütterliche Beziehung zum Vater wird besonders in der Todes-stunde deutlich: „Vater, in Deine Hände lege ich meinen Geist.“ (Lk 23,46)[5]

Die Jünger befanden sich, nach der Nachricht vom leeren Grab und der Auferstehung Jesu in einer ratlosen, aufgewühlten Situation. Da verließen zwei aus dem Kreis, der jetzt besonders auf eine gemeinsame solidarische Beratung der Freunde Jesu angewiesen war, das schützende Haus. (Lk 24,13) Eine Erklärung drängt sich auf: Die Aufbrechenden halten die Bedrohung nicht mehr aus und suchen am Heimatort Schutz.

Männer und Frauen in der Nachfolge Jesu

Doch wer sind diese zwei Jünger?

Ein Name wird genannt: Kleopas (Lk 24,8). Der zweite fehlt.

Obwohl Jesus Männer wie Frauen wertschätzte, fehlen – entsprechend der gesellschaftlichen Gewohnheit – auch in den neutestamentlichen Erzählungen häufig die Namen der Frauen oder sie werden sogar durch männliche ersetzt.[6] Jesus ließ sich auf das Zeugnis einer kanaanäischen Frau[7] ein und heilte ihre Tochter; ebenso lernte er von einer anderen, die ihm mit ihren Tränen die Füße wusch (Lk 7,30-50)[8] und tat es in einer für ihn schwierigen Situation ebenso. So wäre es nicht verwunderlich, wenn die zweite Person, die nach Emmaus aufbrach, auch eine Frau gewesen ist.

Bei der Suche nach ihrem Namen entdecke ich drei Frauen, die in der Todesstunde Jesu unter dem Kreuz stehen. Alle drei heißen Maria. Darunter nennt Johannes als zweite Person: Maria, die Frau des Klopas (Joh 19,26). Könnte mit Klopas und Kleopas [9] dieselbe Person gemeint sein?

Die Männer versteckten sich aus Klugheit weitgehend, denn sie spürten die Gefahr, dass die Soldaten alle Anhänger Jesu jetzt aufgreifen, im voraus-eilenden Gehorsam sie den mit Verlustängsten ringenden Autoritäten über-geben. Außerdem müssen sie, angesichts wehrfähiger Männer in dem besetzten Land mit der Gefahr eines Aufstandes rechnen. Die Soldaten konzentrieren sich auf den Schutz ihrer Waffen. Die bei Umstürzen ebenso nötige Kraft der Frauen nehmen sie weniger wahr. [10]

Selbst kurz vor der Verhaftung Jesu ließen die Apostel von ihrer privilegierten männliche Sichtweise nicht los.[11] Jesus führt ihnen ihr unangemessenes Verhalten drastisch mit der Frage vor Augen: Als ich euch ohne Geldbeutel aussandte, ohne Vorratstasche und ohne Schuhe[12], habt ihr da Not gelitten (Lk 22,35)? Als sie die Frage verneinten, weist er sie an, jetzt[13] Geldbeutel und Tasche mitzunehmen. „Wer aber kein Geld hat soll seinen Mantel[14] verkaufen und sich dafür ein Schwert kaufen.“ (Lk 22,36) Bei der bevorstehen-den Verhaftung Jesu brauchen die Jünger ihre volle Aufmerksamkeit.[15]

Allen Besitz sollen sie los lassen und sich auf das ihnen anvertraute scharfe  Schwert des Geistes Gottes verlassen, das rechtes und unrechtes Tun von-einander scheidet. Jesus beschreibt damit die Todessituation jedes Menschen. In ihr werden wir alle ohne jedes Blendwerk unser Ich sehen, das uns Gott anvertraute.

Heißen die beiden Jünger Kleopas und Maria?

Eine der Frauen, die bei Jesus unter dem Kreuz bis in die Todesstunde blieben, nennt Johannes „Maria, die Frau von Klopas“ (Joh 19,25). Könnte Klopas und Kleopas (Lk 24,18) dieselbe Person sein?

Dann wären die beiden „Jünger“ ein Paar, das jetzt verständlicherweise außerhalb des Kreises der Apostel einen ungestörten Ort sucht.

Die Beiden durchliefen recht unterschiedlichen Situationen: Kleopas versteckte sich wie die meisten Männer und Maria stand mit den beiden anderen Frauen unter dem  Kreuz.[16]


Eine Ikone in Jerusalem weist auf das Jünger-Paar hin [17]

Br. Ansgar OSB aus der Abtei Nütschau bei Lübeck fand die Darstellung im Internet und schrieb die Ikone neu. Links ist deutlich das Paar unterwegs dargestellt, im Gespräch mit dem Fremden, rechts die Situation in Emmaus als die beiden am Tisch mit ihm sitzen. Leider fehlt die dritte Etappe in Jerusalem. Dort erscheint Jesus dann allen seinen Freunden und Freundinnen. Kunstwerke weisen häufig auf neue Auslegungen biblische Texte hin.

Auf dem Weg nach Emmaus fragt ein Fremder (Lk 24,17) die „Jünger“, worüber sie miteinander sprechen. – Kleopas weist ihn brüsk zurück und schützt, männlich erprobt, die erkämpfte Intimität des Gespräches mit der rhetorischen Frage: „Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?“ (Lk 24,18)

Der Mitreisende fragt nochmals: „Was denn?“ (Lk 24,19-24). Nun antworten Maria und Kleopas und erzählten gemeinsam von ihrer Trauer und ihrer Hoffnung, die sie über das Leben und die Botschaft Jesu für sich und ihr Volk fanden. Wenn Mann und Frau gemeinsam über die Wirklichkeit sprechen, dann werden die Aussagen plastischer, da sie unterschiedliche Sicht-weisen miteinander verbinden. Dadurch kommen leichter auf den thematisch zentralen Punkt. Sie erzählten auch von der Aufregung, den die Frauen bei den Jüngern auslösten, als sie vom Grab zurückkamen. Sie fanden seinen Leichnam nicht. Außerdem erzählten sie von Engeln, die sagen: Jesus lebt!  

Die Emmaus-Jünger. Ikone aus dem Kloster Nütschau bei Lübeck

Sofort bekamen die beiden Trauernden die entsprechende (Straßen)-Antwort (Lk 24,25-27) von dem noch Unerkannten[18]. Sinngemäß sagte er ihnen: ‚Habt Ihr die Propheten nur mit dem Kopf gelesen und nicht mit eurem Herzen?‘ Er erläutert ihnen lebendig die Voraussagen der Propheten. Und ihre Herzen brannten (Lk 24,32), in der Freude nun die Wirklichkeit der prophetischen Aussagen zu verstehen.

Bis heute bekommen Menschen bei Straßenexerzitien oder auf Pilgerwegen in der Gegenwart Gottes ähnlich verblüffende Antworten. Sie sehen in einer alltäglichen Begegnung, wie ein Wort auf einer Reklametafel einen ihre Fragen entschlüsselnden Hinweis. Ähnlich erhielt Mose aus einem nutzlos erscheinenden doch in der Liebe Gottes brennenden aber nicht verbrennenden Dornbusch (Ex 3) den Auftrag sein Volk aus der Knechtschaft zu befreien.[19]


[1]    Mose sang nach dem Durchzug durchs Rote Meer ein Lied: Ex 15,1-21

[2]    http://www.ndr.de/fernsehen/Sendungen/Gottesdienst-Einfuehrung-der-Landesbischoefin-der-Nordkirche-am-Pfingsttagmontag,sendung914626.html

[3]    Zusätzlich berichtet Johannes: Maria von Magdala wurde unter den Frauen ausdrücklich beauftragt, den zurück gebliebenen Jüngerinnen die Auferstehung Jesu zu verkündigen (Joh 20,17ff). Der Kirchenlehrer Augustinus (354-430) nannte sie deshalb die „Apostelin der Apostel“.

[4]    Von der panischen Situation berichtet auch Johannes (Joh 20,29) : Die Jünger schließen die Türen und ziehen sich aus der Öffentlichkeit zurück. Und Matthäus (Mt 28,4) erzählt von dem Versuch der Wärter am Grab, wie sie, die auch für sie gefährliche Wahrheit, vertuschen wollen.(Mt 28).

[5]    Markus unterstreicht in der Todesstunde das Menschsein Jesu, in der alle ganz unverstellt, das eigene Ich sehen: Trotz seiner Einheit mit dem Vater, wurde jetzt auch seine menschliche Hilflosigkeit deutlich und er ruft: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mk 15,34)

[6]    z.B. Röm 16, 7

[7]    Nach einem Streit mit den einheimischen Theologen über die ausschließenden Kategorien von „rein und unrein“ (Mt 15,1-20) setzte er sich einmal ins  naheliegende Ausland ab, ins Gebiet von Tyrus und Sidon. Dort lernte er als erwachsener Mann von einer heidnischen Frau auf drastische Weise,  Menschen über alle Grenzen hinweg zu achten (Mt 15,21-28; Mk 7,4-30). Diese Wertschätzung schärfte er auch den mitziehenden Männern und Frauen durch sein Verhalten ein.

[8]    Wiederholt schärften Frauen die Wahrnehmung Jesu, als eine ihm die Füße wusch (Joh 13,1-20) und er sie dann in einer ähnlichen Bedrängnis seinen Jüngern waschen konnte. (Joh 13,1-20)

[9]    Lk 24,17

[10]  Vgl. Miriam (Ex2,3f) und nach der Vernichtung des ägyptischen Heers (Ex 15,20f), Ester (Ester 1,15-17)

[11]  Selbst nach dem letzten Abendmahl mit Jesus stritten sie darüber, wer von ihnen der Größte sei. Noch kurz vor dem Verrat im Garten Gethsemane warnt sie Jesus vor ihrem Hochmut (Mt 26,31-35).

[12]  Der Verlust des Schuhes ist das Zeichen jeden Besitzanspruch abzugeben Rut 4,7f. Das Haus des Barfüßlers steht dann für eine Brandmarkung Deut 25,10; auch als Warnung alle Zukunftssicherung zu verlieren Jes 20,2. Dann kann die Demütigung des Ausspuckens vor der Person beginnen: Hiob 30,10; 

[13]  Die Bedeutung dieses kleinen Wortes „Jetzt“ siehe unten

[14]  Vgl. Deut 24,13 Dem Armen das Pfand/den Mantel zum Schlafen zurück geben.

[15]  Ähnlich wie bei ihrer Aussendung das Kommen Jesu anzukündigen: Lk 10,1-4

[16]  Sie wurden damit auch zu Zeugen der Verspottung Jesu (Mk 10,34) und sahen mit an, wie Menschen vor dem nackt Gekreuzten – was seine Rechtlosigkeit unterstrich () – verächtlich ausspuckten (Hiob 30,10; Jes 50,6: Mt 26,67; 27,30) oder  ihm gar ins Angesicht schlugen (Mt 27,30; Mk 10,34). Diese Nacktheit entspricht dem warnenden Zeichen von Jesajas (20,2) und steht in deutlichem Gegensatz zum Verhalten des Johannes, der nicht einmal die Schuhriemen von Jesus öffnen wollte (Mk 1,7; Jo 1,27)

[17]  https://www.kathrin-happe.www5.webhosting-account.com/wp-content/uploads/2014/06/emmaus.jpg

[18]  Er sagte von sich: „Ich bin Straße, Wahrheit und Leben.“ (Joh 14,6)

[19]  Davon sprechen lebendige Berichte, Bücher und Artikel: https://www.strassenexerzitien.de/ und https://nacktesohlen.wordpress.com/schatzkiste-exerzitien-auf-der-strasse-1/

Heilsames Vermissen?

Auferstandener Christus (Bs. Aires) Foto: J. Haas

von Jutta Maier*

Ja, ich vermisse es sehr: das „Exsultet“ der Osternacht und das gemeinsam geschmetterte „Halleluja“, die Freude am Licht der großen Osterkerze und auch das Osterfrühstück bei meinem Bruder. Trotzdem bin ich dankbar, dass ich mich gerade in diesem „Vermissen“ mit vielen Glaubenden österlich verbunden fühlen darf. Dabei ist mir klar, dass es ein „Vermissen“ in diesen Wochen gibt, das für viele Mitmenschen ganz andere, große, schmerzhafte und dauerhaft einschneidende Auswirkungen auf ihr Leben und ihre Beziehungen hat.

Darum glaube ich, dass der AUFERSTANDENE, wie Papst Franziskus meint, längst von innen an den Türen unserer Kirchen und unserer Denkgebäude gerüttelt hat und sie mit seiner gewaltigen Liebesenergie aufsprengt. ER bewegt sich frei in Raum und Zeit, um sich –unerkannt- auf den Straßen und in den (Kranken)-Häusern, Pflegeheimen und an den Arbeitsplätzen zu den Menschen zu gesellen.

So möchte ich es zulassen, dass durch das Vermissen der gewohnten, festlichen Gottesdienste und Bräuche auch meine vielleicht zu eng gefassten, liturgisch genormten Vorstellungen von Gott und seinem Gnaden-Wirken aufgesprengt werden. Ich möchte mich selber von innen her aufmachen und ihn neu suchen, den österlichen Christus. Lest in den Evangelien nach: Er ist als AUFERSTANDENER nicht im Tempel erschienen. Aber er wurde auf dem Friedhof, auf dem Heimweg ins Dorf, von Freunden in ihrer ‚Quarantäne‘ und bei der Arbeit am See gesichtet.

Ich wünsche uns allen ein NEUES HERZ, das sich auf einen lebendigen und überraschend anderen Christus einstellt. Ich wünsche uns OSTERAUGEN, die ihn erkennen, weil er seine und unsere Wunden trägt und weil von ihm ein Friede ausgeht, der Mut zum Leben macht.

Die erste Strophe eines Osterliedes der Dichterin Silja Walter geht mir nicht aus dem Sinn:

Größer als alle Bedrängnis ist deine Treue, Herr.

Du sprengtest unser Gefängnis, du bringst uns das Neue, Herr.

Dein Leben will singen aus Tod und Misslingen.

Halleluja, lobet Gott!

*Jutta Maier ist als Gemeindereferentin im Bistum Augsburg tätig und im Raum Mindelheim mit dem Projekt „Kirche am Weg“ unterwegs mit einem Schälferwagen (der wegen Corona gerade ruht) www.bistum-augsburg.de/kircheamweg