Straßenexerzitien in Berlin

Begleitung: Iris Weiss, Christian Herwartz, Marita Lersner, Jens Sommer
Info und Anmeldung bei Iris Weiss irisnweiss  ( at ) gmx.de

Straßenexerzitien Schnuppertag in Augsburg

Freiraum (Foto: Kathrin Happe)

Ein Tag für Menschen, die immer noch oder wieder neu nach Gott Ausschau halten.

Ein Tag für Menschen,
die sich überraschen lassen können

Ein Tag für Menschen, die erfahren
möchten, was mit Straßenexerzitien gemeint ist

Veranstaltungsflyer hier.

Anmeldung bis Montag 27. Juni:
Kath. Landvolkbewegung, Peutingerstr. 5, 86152 Augsburg jutta.maier@bistum-augsburg.de
Telefon: 0821/3166-3416

Tagesverlauf: Nach einer geistlichen Einführung haben die TeilnehmerInnen ca. vier Stunden unverplante eigene Zeit, um sich auf Spurensuche Gottes in der Stadt zu machen. In Gruppen werden wir dann gemeinsam auf den Tag schauen, um im Erzählen des Erlebten vielleicht etwas vom Geheimnis Gottes darin zu entdecken.

Tagesbegleitung
Jutta Maier, Bildungsreferentin KLB Augsburg
Frank Zelinsky, ev. Pfarrer an der Barfüßerkirche
Gerhard Kahl, Diakon/Diözesan-Männerseelsorger
Sr. Elisabeth Mack, Dillinger Franziskanerin/Gemeindereferentin

Straßenexerzitien in Augsburg (für Männer)

Tag_1 (Foto: Kathrin Happe)

Weitere Informationen:

  • Begleitung: Frank Zelinsky und Gerhard Karl
  • Anmeldung: s. Veranstalter unten

Wo ist Gott? Wo können wir etwas von ihm entdecken und erfahren? Im Gottesdienst? In unseren Kirchen? In außergewöhnlichen Erlebnissen? Starken Gefühlen? Besonderen Erfahrungen? Wir suchen ihn dort, wo wir ihn vielleicht am wenigsten vermuten: mitten in der Stadt. Einen Tag lang Gott suchen – und uns überraschen lassen. Einen Tag lang durch Augsburg gehen, ohne Geld, ohne Handy, ohne Absicht – und sehen, was passiert. Es ist ein Tag der Ruhe und Entschleunigung. Es steht kein Termin an und nichts ist zu erledigen. Es geht darum aufmerksam zu sein und Menschen zu begegnen. Abends erzählen wir uns gegenseitig, was wir erlebt haben. Im Gespräch entdecken wir, wo wir Spuren Gottes gefunden haben, der doch versprochen hat, ganz nahe zu sein. Nach dem Abendessen und der Austauschrunde wird in der Barfüßerkirche übernachtet. Ende ist nach dem Gemeindegottesdienst am Sonntag.

Aufmerksam werden

Weglassen: Geldbeutel, Handy, iPod, .... (Foto: Martin Strattner CC-BY-ND 2.0)

In den letzten zehn Jahren wurde bei Kirchen­ und Katholikentagen eine Aufmerk­samkeitsübung angeboten. Jeweils etwa 50 Menschen gingen zwei oder drei Stunden auf die Straßen der Stadt. Als Hilfestel­lung bekamen sie zwei Sätze aus dem Lukasevangelium (10,3+4) mit auf den Weg. In diesem Bibeltext bereitet Jesus 72 Jünger und Jüngerinnen darauf vor, in die Städte und Ortschaften zu gehen, in die er noch kommen will. Anschließend erzählten die Teilnehmenden in kleinen Gruppen von ihren überraschenden Erfahrungen. Ähn­lich nahm Jesus sich die Zeit, den Jüngern zuzuhören. Bei uns hörten jeweils einige Begleiterinnen und Begleiter mit Erfah­rungen aus Straßenexerzitien zu. Jetzt möchte ich Sie an dieser Stelle einladen, sich auf solch eine Zeit der Aufmerksam­keit einzulassen.

In der biblischen Vorlage weist Jesus zu­erst auf die Situation hin, die die Jünger vorfinden werden. Ähnliches gilt auch für uns. Die Jünger gingen aus dem geschütz­ten Kreis hinaus in ein oft feindlich ge­sinntes Umfeld. Im eigenen Kreis hatten sie sich unter dem Schutz von Jesus, der wohl jeden zu Wort kommen ließ, eine Stellung erarbeitet. Doch das wird sich auf der Reise ändern: „Ihr überschreitet eine Grenze. Legt deshalb alle Besserwis­serei ab. Hört aufmerksam zu. Nun geht! Ich sende euch wie Lämmer mitten unter Wölfe“, lauten die Worte Jesu.

Dann gibt Jesus noch vier Anweisungen:

1. Lasst das Futter für die Wölfe weg. „Nehmt keinen Geldbeutel mit.“ Ohne Geld seht ihr eure Geschwister besser, die auch ohne Geld auf der Stra­ße sind, und könnt ihre Bedürfnisse besser spüren: Durst, Hunger, den Zu­ gang zu einer Toilette, Regenkleidung. Dann seid ihr keine Kunden mehr, de­ren Bedürfnisse auf Zuruf befriedigt werden. Auch andere Abhängigkeiten, die uns zur Beute von Wölfen werden lassen, können wir wenigstens für einige Zeit weglegen: die Uhr, Handy, Online­präsenz …

2. Kauft kein Überlebenspaket ein. „Lasst auch den Rucksack weg.“ Die Jünger dürfen jede Absicherung vermeiden, außer der, sich ganz auf die Frohe Bot­schaft Jesu zu verlassen.

3. Geht in die Haltung der Achtung vor euren Gastgebern. „Zieht eure Schu­he sofort aus“, nicht erst beim Betre­ten der Häuser, sondern schon hier. Vertagt eure Geste der Achtung nicht! Legt die Schuhe der Distanz weg: Die Schuhe mit hohen Hacken, durch die wir auf andere hinabsehen können; die Turnschuhe, mit denen wir oft bei Konflikten schnell weglaufen; die Schuhe mit Stahlkappen, mit denen wir zutreten können …. Jeder von uns trägt andere „Schuhe“, die eine Distanz zum Boden und zur Wirklichkeit vor Ort herstellen.

4. „Und grüßt nicht unterwegs.“ Wie können wir diese Anweisung verstehen? Als ich in einer überschaubaren Runde den Text aus dem Lukasevangelium vorlas, sprang eine ältere Ordensfrau auf und schrie gerade­ zu: „Ich will doch nicht unhöflich sein!“ Doch auch diesen Ratschlag müssen wir in unseren Alltag übersetzen. Ich schlage vor: Lasst euch von einengenden Regeln nicht aufhalten und grüßt vielleicht mal diejenigen, die ihr sonst nicht grüßt. Mit manchen Höflichkeitsregeln können wir den Ruf Gottes in den Hintergrund drü­cken. Er wird in vielen Alltagskonventio­nen beiseitegeschoben.

Soweit einige Erläuterungen zu dem Bibel­text. Nun lade ich die Sie ein, sich auf eine Zeit der Aufmerksamkeit mit diesen Anweisungen Jesu einzulassen. Was sehen wir alles – auch in gewohnter Umgebung – neu, wenn wir einige vertraute Dinge weglegen? An­schließend hilft ein Gespräch mit Freundin­nen und Freunden, um die Erfahrungen zu sichten. Manchmal weitet das Lesen der Er­fahrungsberichte auf dieser Webseite unseren Blick, oder im Buch: „Im Alltag der Straße Gottes Spuren suchen – Persönliche Begegnungen in Stra­ßenexerzitien“ (Neukirchener Verlage 2016).