Verein für Liebesübungen

Heute ging ich recht spontan in Halle (Saale) eine Stunde auf die Straße – ohne große Erwartungen und Vorsätze. Und doch wurde ich mit einer überraschenden Einsicht beschenkt.

Auf meinem Weg kam ich an einen Laternenpfosten. Dort sah ich einen kleinen Aufkleber: Verein für Liebesübungen stand drauf, unter einem Foto, auf dem ein Mann eine Schimpansin küsst.

Das Wortspiel mit dem Vereinsnamen des VfL Halle 96 ging mir in der Folge weiter durch den Kopf.

Eigentlich, so erschien es mir, sind wir mit den Straßenexerzitien nichts anderes: ein „Verein für Liebesübungen“.

Denn „Gott ist Liebe“ – und wenn wir auf die Straße gehen, um Gott zu begegnen, dann begegnen wir letztlich seiner Liebe.

Exerzitien sind „Übungen“, und bei Exerzitien auf der Straße üben wir ein, Gottes Liebe auf den Straßen zu sehen, und zu erwidern.

Auf meinem Weg durch Halle drangen dann Posaunenklänge an mein Ohr. „Am Brunnen vor dem Tore“ und andere Volkslieder, angestimmt im Garten des Gemeindehauses der evangelischen Paulusgemeinde, aus Anlass eines Frühlingsfestes für Einheimische und Flüchtlinge.

Eine bunte Runde saß da zusammen, über alle Nationen und Hautfarben vereint. Ganz unspektakulär und doch so schön.

„Verein für Liebesübungen“ – so kam es mir dann vor – das könnte auch eine gute Beschreibung für die Kirche sein. Denn „Da ist nicht mehr Grieche oder Jude, Beschnittener oder Unbeschnittener, Nichtgrieche, Skythe, Sklave oder Freier, sondern alles und in allen Christus“, so schreibt Paulus über die Urkirche. Und Christus, das ist Liebe.

Vielleicht ist das unser Auftrag in der heutigen Zeit mehr denn je: Verein für Liebesübungen zu werden. Was denkt ihr?

 

 

Lesung in Schleswig mit Christian Herwartz und Katharina Prinz

„Im Alltag der Straße Gottes Spuren suchen – persönliche Begegnungen in Straßenexerzitien“

– so lautet der Titel eines Buches, das im Februar 2016 erscheint.

Herausgegeben wird das Buch von P. Christian Herwartz, Arbeiterpriester und Jesuit aus Berlin und Katharina Prinz, zuständig für den Arbeitsbereich Spiritualität im Kirchenkreis und Begleiter/innen der „Exerzitien auf der Straße“.

Es werden Texte gelesen, in denen Teilnehmende von ihren Erfahrungen des Suchens und der Begegnung mit dem Auferstandenen mitten im Alltag berichten. Darüber wollen wir ins Gespräch kommen.

Bitte anmelden!

„Talk am Dom“ in Köln mit Christian Herwartz

Jesuitenpater Christian Herwartz lebt seit über 35 Jahren in einer offenen Wohngemeinschaft in Berlin-Kreuzberg, hat jahrzehntelang als Arbeiterpriester in Fabriken gearbeitet und ist überzeugt, dass Spiritualität und gesellschaftliches Engagement zusammengehören. In diesem Band beschreiben er und viele andere Autoren und Autorinnen ihre sehr persönlichen Erfahrungen bei Exerzitien auf der Straße. Sich auf fremde Orte und Menschen sowie überraschende Erfahrungen einzulassen, gehört bei dieser Form der „geistlichen Übungen“ dazu. Eine Frage lautet: Wer will mir heute begegnen? Von diesen Begegnungen mit einer alten türkischen Frau, einem fünfjährigen Mädchen und einem Obdachlosen erzählen die Teilnehmer genauso wie von berührenden Einsichten unter der Brücke. Von dem, was sie als Mensch, Christ verändert hat, wie Gott ihr Herz traf. Geistliche und biblische Reflexionen zu den verschiedenen Etappen der Straßenexerzitien runden diesen Band ab und können eigene Straßenexerzitien anleiten

Das Heilige auf der Straße

Ein Porträt von Philipp Gessler zum 73. Geburtstag von Christian Herwartz (taz, 16. April 2016)

Auf seinem Unterarm prangt ein Tattoo: Moses brennender Dornbusch. Für Christian Herwartz steht er dafür, sich ungeschützt auf Fremdes einzulassen. Das praktizierte der Jesuit über Jahre

Christian Herwartz in Berlin-Kreuzberg, 2015 (Foto: Wolfgang Borrs)
Christian Herwartz in Berlin-Kreuzberg, 2015 (Foto: Wolfgang Borrs)

Ist das etwa der liebe Gott? Jedenfalls sieht der Obdachlose so aus – lange weiße Haare, Vollbart, wallendes Hemd und eine weite Hose. Etwas irritierend ist der zackige Spiegel, der an einer Schnur um seinen Hals baumelt, die nackten Füße stecken in Badeschlappen. Er drückt auf die Klingel der „WG Herwartz“ am Eingang des Hauses Naunynstraße 60, gleich neben der Kneipe Der Trinkteufel in Berlin-Kreuzberg. Die Tür öffnet sich, ohne Nachfrage. Im dritten Stock steht die Wohnungstür auf, verschiedene, meist nicht mehr ganz junge Menschen, tragen Tassen und Teller in das WG-Wohnzimmer. Es ist Samstagmorgen, und wie immer samstags zwischen halb zehn und halb zwölf, ist jeder, der mag, zu einem offenen Frühstück eingeladen. An der langen Holztafel, an der etwa 15 Leute sitzen, ist noch ein Platz frei, neben Christian Herwartz. Der liebe Gott neben dem Heiligen von Kreuzberg.

Dass Herwartz ein Heiliger von heute sein könnte, das hat Pater Klaus Mertes mal angedeutet, ebenfalls ein mutiger Jesuit, der als Rektor des Canisius-­Kollegs vor sechs Jahren den Missbrauchsskandal in seinem Gymnasium aufdeckte – und damit die katholische Kirche im Innersten erschütterte. Aber was ist schon heilig?

„Das Heilige auf der Straße“ weiterlesen

Spiritualität in der Sozialen Arbeit und der Weg der Straßenexerzitien

Von Andrea Tafferner, Katholische Hochschule NRW, Münster

Für ein Buchprojekt wurde ich gebeten, ein Fallbeispiel aus der Sozialen Arbeit aus Sicht der Theologie zu kommentieren. Eine theologische Perspektive einzubringen heißt für mich auch, zu beschreiben, wie spirituelle Grundhaltungen in der Sozialen Arbeit einen selber verändern und dadurch auch die Beziehung zu den Menschen prägen, die aus unterschiedlichsten Gründen professionelle Unterstützungsleistungen erhalten. Ein Kernthema der Beziehungsgestaltung in professionellen Kontexten ist die Balance von Nähe und Distanz. Durch die Straßenexerzitien ist mir deutlich geworden, dass es „Schuhe der Distanz“ gibt, die eine offene Begegnung mit anderen Menschen beeinträchtigen. Oder noch viel mehr: die auch die Freude, die von innen kommt, hemmen können.

„Spiritualität in der Sozialen Arbeit und der Weg der Straßenexerzitien“ weiterlesen

Lesung in Berlin, „Im Alltag der Straße Gottes Spuren suchen“

„Im Alltag der Straße Gottes Spuren suchen“ – Persönliche Begegnung in Straßenexerzitien“ – so lautet der Titel des Buches, das im Februar 2016 in der Neukirchener Verlagsgesellschaft erscheint. Herausgegeben haben das Buch Christian Herwartz, Arbeiterpriester und Jesuit aus Berlin gemeinsam mit Elisabeth Tollkötter, Josef Freise, Katharina Prinz und Maria Jans-Wenstrup.

Berlin: Ein Tag auf der Straße

Wie in allen Exerzitien geht es auch bei eintägigen Straßenexerzitien darum, einen geistlichen Blick bzw. ein geistliches Suchen einzuüben: Das wahrzunehmen und wahr sein zu lassen, was in mir und um mich herum ist. Das sind Regungen, Bewegungen, Situationen, meine Umwelt, meine Mitmenschen und die Beziehung zu ihnen – und darin die Spur des Geheimnisses, das wir Gott nennen. Mehr zur Idee der Straßenexerzitien findet sich in diesem Artikel.

Die Marienkirche ist eine der ältesten Kirchen Berlins. Heute steht sie in einem ganz eigenen Umfeld. Dieses Umfeld der Marienkirche, ein hochfrequentierter Ort mit einer Mischung aus Kommerz und Leere, aus Urgeschichte Berlins und Moderne, aus bewusstem Abbruch und Demonstration von Stärke braucht Menschen, die wahrnehmen, was ist. Die aus einer Kirche herausgehen, die seit über 700 Jahren Zeugin des Geschehens am Platz ist.

Der Exerzitientag beginnt um 10 Uhr mit einer Einführung und endet um 17 Uhr. Nach einer Einführung gehen wir für etwa drei Stunden auf die Straßen Berlins. Um 14:00 Uhr kommen wir wieder zusammen zu einem einfachen Mittagessen: Jede(r) bringt eine Kleinigkeit mit. Danach tauschen wir uns über das aus, was wir auf der Straße erfahren haben. Zum Abschluß feiern wir gemeinsam Gottesdienst.

Begleitet werden die Exerzitien von Christian Herwartz, Jörg Haas, Kathrin Happe und weiteren Begleiter/innen.

Treffpunkt ist auf der rechten Seite des Kirchenschiffs. Bitte anmelden bei Pfarrerin Cordula Machoni cordula.machoni(at)marienkirche-berlin.de

Wer möchte, kann zum Schluß des Tages um 18:30 Uhr noch an einer Lesung aus „Im Alltag der Straße Gottes Spuren suchen“ in St. Marien teilnehmen.

Lesung in Berlin mit Christian Herwartz

„Im Alltag der Straße Gottes Spuren suchen – Persönliche Begegnung in Straßenexerzitien“ – so lautet der Titel des Buches, das im Februar 2016 in der Neukirchener Verlagsgesellschaft erscheint. Herausgegeben haben das Buch Christian Herwartz, Arbeiterpriester und Jesuit aus Berlin gemeinsam mit Elisabeth Tollkötter, Josef Freise, Katharina Prinz und Maria Jans-Wenstrup.